Dreimal ins Gesicht geschossenGoods Tod gleicht einer Hinrichtung durch die ICE-Behörde
Von Sabine Oelmann
Renée Nicole Good wurde am Mittwoch während einer Protestaktion in Minneapolis, mit der sie unter Umständen gar nichts zu tun hatte, erschossen. Sie hatte zuvor Aufforderungen der ICE-Beamten, aus ihrem Auto auszusteigen, ignoriert, ihren Wagen zurückgesetzt und versucht wegzufahren.
Eine Frau wurde am Mittwoch, 7. Januar 2026, von einem ICE-Agenten in Minneapolis dreimal ins Gesicht geschossen und getötet. Sie saß in ihrem Auto und sollte am Wegfahren gehindert werden. Was Polizisten normalerweise tun, wenn sie Menschen in Autos aufhalten wollen, ist: in die Reifen schießen. Der ICE-Mitarbeiter entschied sich gegen diese übliche Praxis und schoss der Fahrerin in den Kopf. Drei Mal. Sie wurde inzwischen von ihrer Mutter als Renée Nicole Good identifiziert, aufgewachsen in Colorado Springs, 37 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und Poetin.
Good starb nur wenige Blocks von ihrem Wohnort in Minneapolis entfernt, erzählt Donna Ganger, die Mutter des Opfers, der "Minnesota Star Tribune". Goods Familie sei am späten Mittwochvormittag über den Tod informiert worden, so Ganger. Warum Goods genau an diesem Ort zur offensichtlich falschen Zeit war, steht noch nicht fest. Nachdem Ganger die Umstände zum Tod ihrer Tochter von einem Reporter erfahren hatte, sagte sie: "Meine Tochter hatte wahrscheinlich große Angst."
Ganger ergänzte, ihre Tochter sei "überhaupt nicht der Typ, der als Demonstrantin ICE-Agenten herausfordern würde". Sie sei in diesem Moment wahrscheinlich überhaupt gar nicht mit einer Demonstration in Verbindung zu bringen gewesen. "Renée war eine der freundlichsten Personen, die ich kenne, sie war äußerst mitfühlend und hat ihr Leben lang für andere gesorgt. Sie war liebevoll, verzeihend und zärtlich. Sie war ein erstaunlicher Mensch."
Angst und Gewalt allgegenwärtig
In ihrem Instagram-Account beschreibt Good sich als "Poetin und Schriftstellerin sowie Ehefrau, Mutter und miese Gitarrenspielerin aus Colorado, momentan entdecke ich Minneapolis". Good lebte in einer Partnerschaft und war zuvor mit Timmy Ray Macklin Jr., einem Comedian, der 2023 im Alter von 36 Jahren starb, verheiratet. Ihr gemeinsamer, sechsjähriger Sohn ist nun Vollwaise.
Die Old Dominion University, auf der Good ihren Abschluss machte, schreibt: "Mit tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Renée Nicole Good, einer stolzen Absolventin, die im Dezember 2020 ihr Anglistikstudium am 'College of Arts and Letters' abschloss. Nach Renées tragischem Tod heute Morgen in Minneapolis sind unsere Gedanken und Gebete bei ihrer Familie, ihren Freunden, Angehörigen und der gesamten Universitäts-Gemeinschaft."
Uni-Präsident Brain O. Hemphill hält ihren Tod für "ein weiteres deutliches Beispiel, dass Angst und Gewalt in unserem Land allgegenwärtig geworden sind. Diese Tragödie spiegelt die tiefe Belastung wider, die in unzähligen Gemeinden unseres Landes zu spüren ist. Als Bürger ist es unsere Pflicht und unser Recht, von unseren Führungskräften und Amtsträgern die Wiederherstellung von Anstand und Respekt in allen Bereichen unseres Lebens zu fordern", so Hemphill, "insbesondere im Umgang mit denjenigen, die uns schützen und dienen sollen."
Er schließt mit den Worten: "Möge Renées Leben uns daran erinnern, was uns eint: Freiheit, Liebe und Frieden." Er hoffe "auf Mitgefühl, Heilung und Besinnung in einer Zeit, die sich zu einer der dunkelsten und unsichersten Perioden in der Geschichte dieser Nation entwickelt".
"Abscheulichkeiten dieser Administration"
Goods Gedicht "On Learning to Dissect Fetal Pigs" gewann 2020 den Preis der "American Poets Academy", schreibt die Seite "Literary Hub". Und weiter: "Das ist Mord am helllichten Tag durch die Trump-Administration, offensichtlich und brutal. Und obwohl jede einzelne, sinnlose Gewalttat des Staates gegen seine Bürger die Tausenden widerspiegelt, die zuvor begangen wurden, dürfen wir nicht taub werden gegenüber den besonderen und sich zuspitzende Abscheulichkeiten dieser Administration."
"Literary Hub" ruft dazu auf, sich dem, was in den USA gerade vor sich geht, entgegenzustellen: "Wenn also die Gewalt der Abschiebungen, der Razzien, der Kürzungen, der Einsätze und der Luftangriffe für Sie nicht genug war, dann lassen Sie sich durch so etwas wie die Hinrichtung einer Dichterin am helllichten Tag zum Handeln bewegen."