Politik

Grenzschützer mit "SS-Kleidung"Gregory Bovino - das ist Trumps Mann fürs Grobe 

26.01.2026, 19:45 Uhr
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Bovinos (m.) auffälliger Mantel erinnert Trump-Kritiker an Nazi-Uniformen. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Binnen weniger Wochen erschießen Beamte in Minneapolis zwei Menschen - und ihr Kommandeur verteidigt die Einsätze. Gregory Bovino leitet die brutalen Abschiebe-Razzien der Trump-Regierung, rechtfertigt Schüsse auf Demonstranten und fällt mit provokanten Aussagen - und auffälliger Kleidung - auf.

Er trägt eine olivgrüne Uniform mit Waffengurt und schusssicherer Weste zum teilweise kahl rasierten Schädel und wurde zuletzt gefilmt, wie er Demonstranten in Minneapolis brüllend mit einer Tränengaskartusche bewirft: Gregory Bovino ist das Gesicht der brutalen Abschiebe-Razzien, die US-Präsident Donald Trump angeordnet hat. In Minneapolis spielt der Grenzschutzkommandeur eine besonders heikle Rolle, denn er verteidigt die tödlichen Schüsse gegen Demonstranten.

Bovino ist Befehlshaber der US-Grenzschutzeinheit Customs and Border Patrol (CBP), die im nördlichen Bundesstaat Minnesota die Beamten der Einwanderungsbehörde ICE unterstützt - und das nicht nur im Vorgehen gegen Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis, sondern zunehmend gegen US-Bürger, die gegen die Einsätze demonstrieren.

Im Fall des am Samstag von Grenzschutzbeamten erschossenen Krankenpflegers Alex Pretti bezog Bovino sofort Stellung für "seine" Leute. Nicht Pretti sei das Opfer, sondern die Grenzschützer, sagte er in einem CNN-Interview. Dabei machte sich Bovino die Darstellung der Trump-Regierung zu eigen, Pretti habe die Beamten mit einer Waffe bedroht, auch wenn Videos vom Tatort eine solche Deutung nicht zulassen. Sie legen nahe, dass ein Grenzschützer die tödlichen Schüsse abfeuerte, nachdem mindestens sechs Beamte Pretti zu Boden geworfen hatten.

Dennoch bescheinigte Bovino den Beamten eine "gute Arbeit". Sie hätten Petti "zu Fall gebracht" und damit verhindert, dass der 37-Jährige selbst hätte schießen können. Überdies sei der Krankenpfleger selbst für die "bedauerlichen Konsequenzen" des Einsatzes verantwortlich, sagte Bovino: "Er hat sich in diesen Tatort hineinbegeben", betonte der Grenzschutzkommandeur.

Der US-Migrationsforscher César García Hernández von der Ohio State University sagt, Bovino sei der ideale Vollzugsbeamte für die Trump-Regierung. "Er macht die aggressive Rhetorik, die von (Heimatschutzministerin Kristi) Noem, Präsident Trump und anderen ausgeht, zur operativen Realität."

Während die meisten Grenzschützer und ICE-Beamten bei ihren Einsätzen Masken tragen, zeigt Bovino demonstrativ sein kantiges Gesicht. Mehrfach trat er in Minneapolis in einem langen, dunkelgrünen Mantel mit breitem Revers und Goldknöpfen auf, der Trump-Kritiker an Nazi-Uniformen erinnerte. "Greg Bovino ist buchstäblich so angezogen, als hätte er auf Ebay SS-Kleidung gekauft", sagte der Gouverneur von Kalifornien, der Demokrat Gavin Newsom.

Bovino dagegen nennt den Mantel eine Standarduniform, die er seit über 25 Jahren trage, und wirft den Demokraten vor, gezielt Stimmung gegen die Einsätze in Minneapolis zu schüren: "Sie versuchen, Grenzschützer und ICE-Beamte als Gestapo und als Nazis darzustellen", kritisierte er bei CNN. Er mutmaßte, der getötete Petti könne "Opfer einer solchermaßen aufgeheizten Rhetorik" geworden sein.

"Turn and burn" (etwa: abdrehen und (Kerosin) verbrennen) nennt Bovino in der Sprache von Kampfjetpiloten seine Taktik. Sie besteht darin, Migranten blitzartig festzunehmen und zu verschwinden, bevor mit Trillerpfeifen und Handys ausgerüstete Demonstranten auf die Razzien aufmerksam werden. Diese Taktik verfolgte der Mittfünfziger Bovino bereits in den von Demokraten regierten Städten Los Angeles und Chicago, bevor er vom Heimatschutzministerium nach Minneapolis abgeordnet wurde.

Dort leitete er am 7. Januar eine Razzia gegen Migranten, während ein ICE-Beamter die unbewaffnete Autofahrerin Renee Nicole Good erschoss. Bovino verteidigte überdies die viel kritisierte Festnahme eines fünfjährigen Jungen aus Ecuador mit den Worten "Wir sind Experten im Umgang mit Kindern".

Für den Migrationsforscher García Hernández übermittelt Bovino eine klare Botschaft: Er verteidige die Einstellung "der Trump-Regierung, dass es keinen Platz für Widerspruch in den Vereinigten Staaten gibt", sagt der Forscher. "Das ist eine erschreckende Aussage", meint García Hernández.

Quelle: ntv.de, Maria Damilova, AFP

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