Greifen VAE in den Krieg ein?Drei Inseln bieten sich für amerikanische Bodentruppen an

Der Öl-Umschlagplatz auf der Insel Charg? Das angereicherte Uran tief in den iranischen Bergen? Oder nimmt Donald Trump ein anderes Ziel ins Visier? Der US-Präsident könnte Teheran mit der Eroberung drei kleiner Inseln massiv schwächen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wären wahrscheinlich begeistert.
Seit über einem halben Jahrhundert liegen die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Iran im Clinch. Grund für die tiefe und lange Feindschaft sind drei Inseln. Mitten in der Straße von Hormus. Jener Meerenge, die der Iran seit dem Angriff der USA blockiert hält - und damit Schockwellen in die Weltwirtschaft und vor allem in die Ölindustrie sendet.
Es geht um die Inseln Abu Musa, Große Tunb und Kleine Tunb. Sie liegen in der Nähe der westlichen Einfahrt in die Straße von Hormus. Etwa auf halbem Weg zwischen der iranischen Küste und Dubai. Seit 1971 hält der Iran die Inseln besetzt. Sie wurden noch zu Zeiten des Shahs in Beschlag genommen.
Abu Musa ist kleiner als Hiddensee, Juist oder Langeoog. Das Mullah-Regime hat die Insel aber zu einem militärischen Außenposten hochgerüstet, mit großem Luftwaffenstützpunkt und einem Hafen für Kriegsschiffe.
Die Tunb-Inseln sind noch kleiner als Abu Musa, aber strategisch nicht weniger wichtig. Auch auf den Tunb-Inseln hat das Regime Marinestützpunkte gebaut. Sie liegen deutlich näher an der iranischen Küste, entlang der tiefsten Stelle in der Straße von Hormus. Hier müssen sämtliche Schiffe vorbei. Heißt: Wer die Tunb-Inseln unter Kontrolle hat, kontrolliert den Schiffsverkehr entlang der wichtigen Seeverbindung.
Bereits mehrere Angriffe aus der Luft
Die strategische Bedeutung der Inseln ruft offenbar auch die USA auf den Plan. Neben der Öl-Insel Charg und dem angereicherten Uran tief in den iranischen Bergen werden auch Abu Musa und die Tunb-Inseln als mögliche Einsatzorte für eine amerikanische Bodenoffensive gehandelt. "Wir haben bereits gesehen, wie US-Kampfjets eine Reihe verschiedener Ziele auf Abu Musa und anderen Inseln angegriffen haben. Das bedeutet, dass sie versuchen, Luftabwehrsysteme, Waffenvorräte, Bunker und Kommunikationszentren anzugreifen", erklärt US-Militärexperte Seth Jones bei CNN. "Auf diesem Weg wollen die Streitkräfte den Widerstand minimieren, dem sie begegnen würden, falls sie dort tatsächlich Truppen landen sollten."
Auffällig ist: Die Kampfjets haben bei ihren Luftangriffen bisher nicht auf den Flughafen von Abu Musa gezielt. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Amerikaner eigene Pläne dafür haben könnten, meint Experte Seth Jones. Nach dem Motto: Eine funktionstüchtige Start- und Landebahn können die US-Truppen für eine Bodenoffensive gut gebrauchen.
"All das deutet auf die Möglichkeit amphibischer Landungen hin, um diese Inseln zu erobern", argumentiert Jones. Er betont, dass die Inseln für die USA strategisch sehr wertvoll wären. "Sie könnten für Verteidigungszwecke genutzt werden, falls weitere Angriffe auf den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erfolgen sollten. Sie könnten aber auch für Offensivoperationen im Iran selbst genutzt werden."
VAE und Iran streiten seit Schah-Zeiten
Das US-Nachrichtenportal Axios wird konkreter. Das amerikanische Verteidigungsministerium habe dem Weißen Haus explizit vorgeschlagen, Abu Musa zu besetzen. Auf diesem Weg könnten die USA die militärischen Möglichkeiten des Iran einschränken, heißt es.
Das Manöver wäre hochriskant, aber käme bei den Verbündeten der Amerikaner ziemlich sicher gut an. Vor allem bei den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Seit 1971 streiten die VAE mit dem Iran über die Inseln. Damals waren die Mullahs noch gar nicht an der Macht. Der Schah hatte seine Truppen nach Abu Musa verlegen lassen. Teheran übernahm wenig später auch die Kontrolle auf den Tunb-Inseln. Seitdem hat das Regime seine Präsenz auf den Inseln ausgebaut. Die Vereinigten Arabischen Emirate betrachten die drei Inseln aber nach wie vor als Teil des Golfstaates. Und die VAE haben die Nachbarn in der Region auf ihrer Seite. Der Golf-Kooperationsrat, eine Art Bündnis der Golfstaaten, bezeichnet die Inseln als "untrennbaren Teil der Vereinigten Arabischen Emirate".
"Iran in die Steinzeit bomben"
Abu Musa und die Tunb-Inseln sind den Emiraten offenbar so wichtig, dass sie sogar über einen Kriegseintritt nachdenken. Dabei geht es den VAE um mehr als die Zukunft der Weltwirtschaft und der Ölindustrie. Womöglich sehen die Scheichs eine historische Gelegenheit, die drei Inseln wieder in Besitz nehmen zu können.
Laut dem "Wall Street Journal" sind die Emirate dazu bereit, den USA und ihren Verbündeten dabei zu helfen, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Das berichtet die amerikanische Zeitung unter Berufung auf arabische Beamte.
Laut der Nachrichtenagentur AP würden vor allem die VAE und Saudi-Arabien derzeit Donald Trump regelrecht dazu drängen, den Krieg gegen den Iran fortzusetzen. Der US-Präsident kündigte in der Nacht zu Mittwoch an, den Iran "zurück in die Steinzeit zu bomben". Die Vereinigten Staaten seien "auf dem besten Weg, alle militärischen Ziele in Kürze zu erreichen", sagte Trump und kündigte einen "extrem harten Schlag" in den nächsten "zwei bis drei Wochen" an.
Von offizieller Seite heißt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten, man behalte eine "defensive Haltung" bei und sei weiter bereit, "gemeinsame internationale Bemühungen zur Wahrung der maritimen Sicherheit und zur Gewährleistung des Warenverkehrs zu unterstützen". Hinter vorgehaltener Hand, so berichtet Axios, können sich die Emirate aber vorstellen, aktiv in den Krieg einzugreifen.
Klar ist: Die Vereinigten Arabischen Emirate sind besonders stark vom Iran-Krieg betroffen. Laut offiziellen Angaben wurden bei Angriffen der Mullahs in Abu Dhabi, Dubai und den anderen Emiraten bislang elf Menschen getötet und fast 200 verletzt. Die Luftverteidigung der Emirate ist im Dauereinsatz: Seit Kriegsbeginn Ende Februar wurden fast 2000 iranische Drohnen, mehr als 400 Raketen und 19 Marschflugfeuer über Dubai, Abu Dhabi & Co. abgefangen.
Weitere Inseln im Fokus der USA
Aber nicht nur Abu Musa und die Tunb-Inseln könnten das Ziel einer amerikanischen Bodenoffensive sein. Drei weitere Inseln kommen in Frage. Allen voran Charg, die den Mullahs als eine Art Ölplattform dient. Von hier aus wickelt der Iran rund 90 Prozent seiner Rohölexporte ab. Besetzen die USA die Insel, könnten die iranischen Öllieferungen zum Erliegen kommen.
Der Nahost-Experte und Pentagon-Berater Michael Rubin hatte schon im Januar erklärt, die Eroberung von Charg könnte der "ultimative Schachzug gegen den Iran" sein. Das Ölterminal zu erobern, sei sinnvoller, als den Iran zu bombardieren.
Weitere strategische Möglichkeiten für eine Bodenoffensive sind die Inseln Larak und Qeshm. Sie liegen an der engsten Stelle der Straße von Hormus, nur etwa zehn Kilometer voneinander entfernt. Auch von hier lässt sich der Seeweg kontrollieren. Gelingt es den Amerikanern, Larak zu erobern, wäre es für den Iran kaum noch möglich, die Blockade der Straße von Hormus aufrechtzuerhalten. Qeshm ist die mit Abstand größte iranische Insel. Hier lagert das Mullah-Regime Berichten zufolge Schiffsabwehrraketen, Minen, Drohnen und anderes Material in unterirdischen Tunneln.
Die Vereinigten Arabischen Emirate werden aber darauf hoffen, dass die USA ihre Bodentruppen nach Abu Musa bringen. In der Hoffnung, dass die VAE die vom Iran einverleibten Inseln eines Tages zurück in ihren Besitz nehmen können.
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