Politik

50.000 allein im August Athen weist 150.000 Migranten an Grenze ab

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Griechenland verlängert seine Zäune an der Grenze zur Türkei.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Für Migranten aus Afrika oder dem Nahen Osten dürfte die griechische Grenze künftig noch abweisender werden. Athen plant weitere Befestigungen und veröffentlicht Zahlen: Allein in diesem Jahr habe man 150.000 illegale Einreisen verhindert.

Der griechische Grenzschutz hat in diesem Jahr nach Regierungsangaben bereits mehr als 150.000 Migranten an der Einreise nach Griechenland gehindert. "Seit Anfang des Jahres wurde die Einreise von 154.102 illegalen Migranten abgewehrt", sagte Migrationsminister Notis Mitarachi der Tageszeitung "Eleftheros Typos". Allein im August versuchten demnach rund 50.000 Menschen, illegal nach Griechenland einzureisen.

Die Kontrolle der Einwanderung ist eine der obersten Prioritäten der konservativen griechischen Regierung, die 2019 an die Macht kam und sich 2023 zur Wiederwahl stellt. Erst im August kündigte die Regierung Pläne an, eine 40 Kilometer lange Mauer entlang der griechisch-türkischen Grenze bei Evros um weitere 80 Kilometer zu verlängern, um die Einreise von Migranten zu kontrollieren. Außerdem sollen Wärmebildkameras installiert und 250 zusätzliche Grenzschutzbeamte eingesetzt werden.

Griechenland ist für Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten häufig die erste Anlaufstelle auf dem Weg nach Europa. Tausende überqueren dabei die türkisch-griechische Grenze am Fluss Evros oder nehmen die gefährliche Überfahrt über die Ägäis in Kauf.

Minister weist Pushback-Vorwürfe zurück

Menschenrechtsorganisationen beschuldigten Athen immer wieder, Migranten unrechtmäßig zurückzuschicken oder sie über die Grenze in die Türkei zurückzudrängen. Die konservative griechische Regierung wies die Vorwürfe wiederholt zurück. Auch am Sonntag bestritt Mitarachi, dass Athen in illegale Pushbacks verwickelt sei. Stattdessen beschuldigte er die Türkei, "gewaltsame Vorstöße" unternommen zu haben.

Der Minister bezog sich dabei auf einen Vorfall im August, bei dem türkische Grenzbeamte eine Gruppe gestrandeter Migranten gewaltsam auf eine kleine griechische Insel im Fluss Evros gedrängt haben sollen. Laut Menschenrechtsorganisationen starb ein fünfjähriges Kind, nachdem die griechische Regierung tagelang bestritten hatte, dass sich die Migranten auf griechischem Hoheitsgebiet befanden. Mitarachi zog die Angaben in Zweifel und verwies auf Ungereimtheiten in dem Fall. "Um es ganz einfach auszudrücken: Die Familie hat vier Kinder angegeben, und vier haben wir gerettet", sagte er.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 04. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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