Politik

Kritik an Ministerin Klöckner Grüne fordern staatliches Tierwohl-Label

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Umso mehr Platz diese Hühner bekommen, desto eher erhalten sie ein positives Tierwohl-Label.

(Foto: picture alliance / Jens Büttner/)

Ein neu eingeführtes Siegel, das auf Geflügelverpackungen anzeigt, ob das Tierwohl eingehalten wurde, hat die Rufe nach einem staatlichen Label lauter werden lassen. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter stellt der neuen Bundesregierung ein "Armutszeugnis" aus.

Unter welchen Bedingungen wurde das Huhn, das auf meinem Teller liegt, gehalten? Um Verbrauchern eine Orientierung zu geben, hat die Brancheninitiative Tierwohl ein Siegel für Geflügelprodukte aus besseren Haltungsbedingungen eingeführt. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter stellte nun der neuen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Armutzeugnis aus, weil der Handel weiter sei als die Regierung. Hofreiter forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" einen "schnellstmöglichen" Vorschlag, wie eine klare und verbindliche Kennzeichnung vom Staat umgesetzt werden kann.

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Die CDU-Politikerin Julia Klöckner plant ein mehrstufiges System für die Kennzeichnung von tierischen Produkten.

(Foto: picture alliance / Christophe Ga)

Ein staatliches Tierwohllabel ist bereits seit längerem geplant - schon Klöckners Vorgänger Christian Schmidt von der CSU hatte an einem solchen Siegel gearbeitet. Klöckner bekräftigte im Bayerischen Rundfunk erneut die geplante Kennzeichnung: Bessere Standards bei der Tierhaltung müssten klar erkennbar sein. Sie plane daher ein mehrstufiges System, mit teureren Premiumklassen, aber auch günstigerem Fleisch. Grundsätzlich sollten die Standards für die Tierhaltung aber über dem bisher gültigen Niveau liegen, so Klöckner.

Auf der Website des Landwirtschaftsministeriums hieß es bereits im Mai vergangenen Jahres über das private Branchenlabel wegweisend: Das staatliche Tierwohllabel sei nicht als Konkurrenz zur Brancheninitiative zu sehen. "Die durch die Brancheninitiative Tierwohl geleistete Arbeit stellt vielmehr eine gute Ausgangsbasis dar, von der ein staatliches Tierwohllabel profitieren kann."

Lebensmittelhändler können mit dem besagten privaten Siegel unverarbeitetes Fleisch aus rund 2000 teilnehmenden Betrieben mit jährlich circa 500 Millionen Hähnchen und Puten kennzeichnen. Laut der Tierwohl-Initiative setzen diese Betriebe über die gesetzlichen Standards hinaus Maßnahmen für eine tiergerechtere Haltung um. Tierschützer halten die vorgeschriebenen Standards ohnehin für viel zu niedrig.

Vierstufiger Haltungskompass bei Lidl

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Die Grünen fordern laut Anton Hofreiter eine 3-2-1-0-Fleischkennzeichnung, ähnlich wie bei Eiern.

(Foto: picture alliance / Soeren Stache)

Bei der Initiative handelt es sich um eine freiwillige Vereinbarung der Fleischindustrie, den größten Einzelhändlern und dem Bauernverband. Die Händler haben sich verpflichtet, für jedes verkaufte Kilo Fleisch einige Cent in einen Fonds einzuzahlen. Mit dem Geld werden seit 2015 Landwirte gefördert, die ihre Ställe umwelt- und tierfreundlicher ausbauen als gesetzlich vorgeschrieben.

Bei dem teilnehmenden Discounter Lidl wird ab dieser Woche ein vierstufiger Haltungskompass auf Frischfleisch-Produkten angebracht. Die Stufe 1 "Stallhaltung" entspricht dabei dem gesetzlichen Mindeststandard, Stufe 2 "Stallhaltung plus" gewährt den Tieren etwas mehr Raum. Bei Stufe 3 "Außenklima" haben Schweine, Rinder, Puten und Hühner Zugang ins Freie, Genfutter gibt es nicht. Stufe 4 entspricht in der Variante "Bio" der EU-Öko-Verordnung.

Zunächst wird bei dem Label nur unverarbeitetes Fleisch gekennzeichnet - Wurst oder marinierte Produkte könnten nach Angaben der Initiative noch nicht mit dem Siegel versehen werden. Das soll sich allerdings im Herbst ändern: "Ab Oktober 2018 kann auch frisches, bearbeitetes - also zum Beispiel gewürztes, mariniertes oder paniertes - Geflügelfleisch durch das Siegel gekennzeichnet werden", teilte die Initiative mit.

Die Grünen haben hingegen andere Vorstellungen bei der Lebensmittelkennzeichnung. "Wir fordern eine 3-2-1-0-Fleischkennzeichnung, ähnlich wie bei den Eiern", sagte Hofreiter. So könnten Verbraucher auf einen Blick erkennen, ob sie Milch oder Fleisch von einer Kuh kaufen, die auf der Weide gegrast hat oder von einer, die das Sonnenlicht nie zu Gesicht bekam.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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