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Zweitstärkste Kraft bundesweit Grüne verdoppeln Stimmenanteil bei EU-Wahl

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Pure Freude bei den Grünen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während SPD und Union herbe Verluste bei der Europawahl wegstecken müssen, ist den Grünen zum Feiern zumute. Nach ersten Hochrechnungen kann die Partei ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl verdoppeln. Sie liegt damit an zweiter Stelle bundesweit.

Die Wähler haben bei der Europawahl in Deutschland die Parteien der Großen Koalition mit historisch schlechten Ergebnissen abgestraft. Union und SPD erlitten bei der Abstimmung den Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge deutliche Verluste: Die Union errang demnach 28,2 bis 28,8 Prozent der Stimmen. Die SPD fiel mit nur noch 15,5 Prozent auf Platz drei hinter die Grünen zurück, die mit 20,6 bis 20,8 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl erzielen konnten.

Im Vergleich zur Wahl 2014 (10,7 Prozent) konnte die Partei ihren Stimmenanteil praktisch verdoppeln. Noch nie hat die Partei bei einer bundesweiten Wahl einen so hohen Stimmenanteil erzielt. Bei einer Analyse der Wählerwanderungen von Infratest dimap in der ARD hieß es, die Grünen hätten im Vergleich zu 2014 von der SPD 1,37 Millionen Wähler herüberziehen können. Von der Union kamen demnach 1,25 Millionen Wähler zur Ökopartei.

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Vor allem junge Wähler hätten bei den Grünen ihr Kreuzchen gemacht. Unter den 18- bis 24-Jährigen hätten 34 Prozent die Grünen gewählt. Bei den 25- bis 34-Jährigen votierten 27 Prozent für die Grünen, hieß es in der ARD. Hintergrund sei, dass die jungen Leute der Partei in Sachen Klima- und Umweltschutz am meisten zutrauten. Auch die Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen zeigt, dass die Grünen bei den Wählern bis 29 Jahre mit Abstand am besten abschnitten, in der Altergruppe 30 bis 44 Jahre lagen sie ebenfalls vorn. In Berlin, Hamburg und Stuttgart wurden sie ersten Trends zufolge jeweils stärkste Kraft.

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Die Grünen bezeichneten ihr historisch gutes Ergebnis als "Signal für mehr Klimaschutz". Spitzenkandidatin Ska Keller erklärte: "Wir verstehen es als Auftrag, bei diesem Thema nun endlich für Handlungen zu sorgen." Die Grünen wollten bei der Wahl einer Kommissionspräsidentin oder eines Kommissionspräsidenten ein entscheidendes Wort mitreden. Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold sprach von einer Richtungswahl. "Wir werden die Stimme der Klimabewegung von der Straße ins Parlament tragen und uns für den europäischen Zusammenhalt einsetzen."

Kellner: "Sunday for Future" gemacht

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Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner bewertet das bisher beste Ergebnis seiner Partei bei einer bundesweiten Wahl als Zeichen eines politischen Wandels in Deutschland. Das starke Abschneiden der Grünen bei der Europawahl zeige, "wie sehr dieses Parteiensystem in Bewegung ist", sagte Kellner im ZDF. Man habe aus dieser Wahl einen "Sunday for Future" gemacht, sagte Kellner in Anspielung auf die Schüler- und Studentenbewegung "Fridays For Future", die sich für einen besseren Klimaschutz einsetzt. Es handele sich um ein "sensationelles Ergebnis", bei den Grünen sei die Freude "wahnwitzig" groß. 

Die AfD legte im Vergleich zur letzten Europawahl 2014 zu und landete laut Hochrechnungen beider Sender bei 10,8 bis 10,9 Prozent. Die FDP und die Linkspartei kamen jeweils nur auf 5,4 bis 5,5 Prozent der Stimmen.

Union und SPD verzeichneten den Hochrechnungen zufolge ihre bislang schlechtesten Ergebnisse bei einer Europawahl, die seit 1979 alle fünf Jahre abgehalten wird. Bei der letzten Europawahl im Jahr 2014 hatte die Union noch 35,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Die SPD landete damals bei 27,3 Prozent.

Rund 64,8 Millionen Wahlberechtigte waren in Deutschland aufgerufen, ihre Stimme abzugeben - unter ihnen waren knapp vier Millionen Bürger anderer EU-Staaten. Insgesamt 41 Parteien und politische Vereinigungen warben um ihre Stimmen. Deutschland entsendet 96 Abgeordnete in das 751 Mitglieder umfassende Europaparlament.

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Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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