Politik

Nicht im Hinterzimmer ausmachen Grünenbasis ärgert Kanzlerkandidaten-Kür

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Kein Hinterzimmer, sondern die Bühne beim digitalen Bundesparteitag im November: Habeck und Baerbock sind die möglichen Kanzlerkandidaten der Grünen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während die CDU der Kür ihres neuen Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten näher kommt, wollen die Grünen erst nach Ostern entscheiden, wer das Zeug für die Merkel-Nachfolge hat. In der Partei gibt es aber bereits Unmut, dass die Vorsitzenden Habeck und Baerbock die Frage unter sich abmachen wollen.

Noch bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hat, regt sich bei den Grünen Widerspruch gegen die Absicht der Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck, die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur unter sich auszumachen. "Es ist gute grüne Tradition, dass solche Entscheidungen von der Partei getroffen werden und nicht im Hinterzimmer", sagte der Parteitagsdelegierte Karl-Wilhelm Koch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Deshalb sollte darüber eine Bundesdelegiertenkonferenz entscheiden. Auch ein Mitgliederentscheid wäre möglich." Koch war in der Vergangenheit bereits mehrfach durch Kritik am Kurs verschiedener Parteiführungen in Erscheinung getreten.

Andere Grünen-Politiker widersprachen diesem Vorschlag jedoch deutlich. Der ehemalige Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Hubert Kleinert, sagte dem RND, es sei "klug", es so zu machen wie vorgesehen. "Denn so etwas geht nie ohne Blessuren ab", führte er aus und argumentierte, eine Gefahr bestehe darin, dass sich in der Partei Lager bilden würden. Kleinert fügte dem Bericht zufolge hinzu: "Die Grünen haben sich verändert und sind nun Teil eines Systems, gegen das sie mal angerannt sind. Aber sie haben auch die Wirklichkeit verändert. Entscheidend ist letztlich der Erfolg an der Wahlurne."

"Habeck und Baerbock entscheiden gemeinsam"

Auch der Politische Bundesgeschäftsführer Michael Kellner zeigte im Gespräch mit dem RND keine große Neigung für ein Basisvotum. Keller stellte klar, dass Baerbock und Habeck die Entscheidung unter sich ausmachen würden. "Die Erwartung der Partei ist vor allem, dass wir da geschlossen bleiben", sagte Kellner. "Sie würde uns die Ohren lang ziehen, wenn wir uns da zerstreiten würden. Deshalb werden Annalena Baerbock und Robert Habeck gemeinsam einen Vorschlag machen." Sie würden "in Gemeinsamkeit entscheiden, welche Aufstellung am besten für unser Land und für die Partei ist".

Allerdings soll diese Entscheidung nicht so bald fallen, laut Keller erst im Frühling. "Wir haben den Zeitplan gerade im Bundesvorstand noch mal festgezurrt. Wir werden unser personelles Angebot unterbreiten, wenn die Bäume wieder richtig grün sind - also zwischen Ostern und Pfingsten", sagte der Grünen-Geschäftsführer weiter. "In den Monaten bis dahin werden wir alle noch mit der Bekämpfung der Corona-Krise beschäftigt sein. Das heißt: Zurecht wird der Wahlkampf erst nach Ostern so richtig beginnen."

Quelle: ntv.de, mau

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