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"Ein einziges Desaster" Habeck kritisiert Scholz im Wirecard-Fall

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Grünen-Chef Robert Habeck wirft dem Finanzminister Versäumnisse vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem Bilanzskandal und der Insolvenz von Wirecard wirft Grünen-Chef Robert Habeck dem Finanzminister vor, "trotz aller Warnsignale" zu spät gehandelt zu haben. Einen U-Ausschuss in dem Fall schließt er nicht aus. Indes fordern Aktionärsschützer den sofortigen Rauswurf von Wirecard aus dem Dax.

Grünen-Chef Robert Habeck kritisiert im Skandal um den Dax-Konzern Wirecard das Agieren von Bundesfinanzminister Olaf Scholz. "Es will mir nicht in den Kopf, dass das Bundesfinanzministerium unter Olaf Scholz trotz aller Warnsignale offenkundig nicht oder mindestens zu spät gehandelt hat", sagte Habeck dem "Handelsblatt". Es sei ja ganz offensichtlich, dass es auf Deutschlands Finanzmarkt ein Kontrollproblem gebe. Das Ganze sei "ein einziges Desaster - und zwar auf allen Ebenen: bei den Wirtschaftsprüfern, der Bafin und auch beim Finanzministerium."

Auf die Frage, ob es einen Untersuchungsausschuss brauche, sagte der Grünen-Chef: "Darauf kann es hinauslaufen." Die Grünen wollten jedoch zuvor die Aktuelle Stunde am Donnerstag abwarten, ebenso das Treffen des Finanzausschusses, das bereits gestern stattfand.

Zuvor hatten Aktionärsschützer den sofortigen Rauswurf von Wirecard aus dem Dax gefordert. Der bisherige Verbleib von Wirecard im deutschen Leitindex tue dem Dax, der Börse und dem Standort Deutschland nicht gut, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Tüngler: Keine "Untoten" im Dax

Die nächste Überprüfung der Zusammensetzung des Dax steht im September an. Dies ist für Tüngler jedoch zu spät: Die Deutsche Börse könne jetzt nicht an ihrem Regelwerk festhalten, sondern müsse reagieren - "zum Schutz anderer Unternehmen und der Aktienkultur". Im Dax sollten nur "gute Unternehmen" sein und nicht solche, "die pleite sind oder betrogen haben".

Der Aktionärsschützer hob hervor, dass andere Indizes wie der EuroStoxx bereits gehandelt und Wirecard nach dem Insolvenzantrag des Unternehmens verabschiedet hätten. "Wir brauchen keinen Untoten und kein Mahnmal im Dax", sagte Tüngler.

Wirecard hatte eingestanden, dass in der Jahresbilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und das Geld vermutlich gar nicht existiert. Vor einer Woche stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag. An diesem Donnerstag wird sich der Bundestag auf Antrag der Grünen in einer Aktuellen Stunde mit dem Wirecard-Skandal befassen.

Quelle: ntv.de, rfü/AFP/DJ