Politik

Energieabhängigkeit beenden Habeck sieht raschen Ausweg aus "russischer Klammer"

277056412.jpg

"Wir werden uns schnell aus der Klammer von russischen Importen befreien, aber noch sind wir da nicht", sagte Habeck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine übereilte Aufkündigung russischer Energieimporte wäre für Deutschland mit Risiken verbunden. Bundeswirtschaftsminister Habeck warnt diesbezüglich vor Arbeitslosigkeit und Preisanstiegen. Ein Ausstieg innerhalb kurzer Zeit liege dennoch im Bereich des Möglichen.

Deutschland kann sich nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck rasch von russischen Energieimporten lösen. "Wir werden uns schnell aus der Klammer von russischen Importen befreien, aber noch sind wir da nicht", sagte der Grünen-Politiker am Abend im ZDF. "In Wochen und Monaten kann man es ändern, aber nicht in Stunden." Diese Wochen und Monate seien nötig, führte Habeck aus. Es gehe darum, Hunderttausende Arbeitslose zu verhindern und Preissprünge, die die Menschen sich nicht mehr leisten könnten.

Es gehe auch darum, Schäden abzuwenden, die Deutschland auf Jahre binden und auch politisch lähmen würden. "Wir wissen aus der Covid-Pandemie, dass der Ausfall von nur einigen Vorprodukten zu Schädigungen der gesamten Lieferkette führen kann. Und das gilt natürlich auch für Vorprodukte, die aus Erdgas, Kohle oder Öl stammen", sagte Habeck. Anders als zum Beispiel die USA, Großbritannien oder andere Teile Europas sei Deutschland durch Pipelines mit Russland verbunden. Diese seien nicht so leicht durch Schiffe zu ersetzen.

Allerdings arbeite man ständig daran, das zu tun. "Mit einigem Erfolg." Auf eine Frage nach der Rolle von Braunkohle als Ersatz betonte Habeck: "Braunkohle ist nicht die Antwort." Sie sei der klimaschädlichste Energieträger, aber nun einmal in Deutschland vorhanden. Sie werde aber allenfalls als Reserve genutzt. Es gehe darum, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben.

Vor dem EU-Gipfel im französischen Versailles erhöht die Ukraine den Druck auf Deutschland, die Importe aus Russland zu stoppen. Angesichts der hohen Zahl der Kriegsopfer unter der Zivilbevölkerung sei das Nein der Bundesregierung zu einem Importstopp "moralisch nicht tragbar", sagte der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk. "Wir rufen die Deutschen auf, eine einzig richtige Entscheidung zu treffen und dieses Embargo unverzüglich einzuführen, um dem Putinschen Krieg gegen die ukrainischen Frauen und Kinder ein Ende zu setzen." Deutschland und die Europäische Union haben Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine zwar mit massiven Sanktionen belegt. Die Kappung der milliardenschweren Lieferungen von Gas, Erdöl und Kohle gehört aber nicht dazu.

Experte fordert "massivste Sanktionen"

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine Stellungnahme. Darin waren Wissenschaftler zu dem Schluss gekommen, dass ein Importstopp für russisches Gas unter bestimmten Voraussetzungen für die deutsche Volkswirtschaft verkraftbar wäre.

Auch Klimaforscher Ottmar Edenhofer fordert Deutschland auf, wie die USA einen Importstopp für russisches Gas und Öl zu verhängen. "Wir brauchen jetzt massivste Sanktionen. Europa kann es sich nicht erlauben, über die Gas- und Ölimporte Putins Krieg weiter zu finanzieren. Und ja, wir könnten es meistern, diesen Importstopp durchzusetzen", sagte Edenhofer der Düsseldorfer Rheinischen Post. "Die Frage der Energie- und Versorgungssicherheit ist dann die nachgelagerte Frage."

Mehr zum Thema

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) räumte aber ein, dass dies mit hohen Kosten und Engpässen verbunden sein kann: "Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass uns das Gas-Problem noch vor große Herausforderungen stellen kann. Es wird mit höheren Kosten und massiven Eingriffen in den Gasmarkt einhergehen. Trotzdem halte ich es für ein machbares Szenario."

Deutschen Industrie-Unternehmen könnte im nächsten Winter eine Abschaltung drohen: "Für den nächsten Winter wäre das denkbar, wenn es nicht gelingt, die Speicher entsprechend zu füllen", sagte Edenhofer und betonte weiter: "Im Winter würden Privathaushalte bei der Gasversorgung priorisiert, die Nachfrager in der Industrie müssten da zurückstehen. Wir sprechen hier von Szenarien in Kriegszeiten."

Quelle: ntv.de, lve/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen