Politik

Extreme wirtschaftliche Folgen Habeck: Gas-Stopp aus Moskau "nicht ausgeschlossen"

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Im Kreml regiere "offensichtlich nicht mehr die Vernunft", sagte Robert Habeck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Kreml regiert "nicht mehr die Vernunft", daher schließt Robert Habeck nicht aus, dass Russland Europa bald den Gashahn zudreht. Gleichzeitig warnt der Bundeswirtschaftsminister eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen eines solchen Schrittes.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck schließt nicht aus, dass Russland seine Gaslieferungen an Europa stoppen könnte. "Nichts ist ausgeschlossen", sagte der Grünen-Politiker im "ARD"-Brennpunkt zum Krieg gegen die Ukraine. Er halte ein Energie-Embargo von russischer Seite zwar für nicht vernünftig und deshalb auch nicht für realistisch.

Im Kreml regiere aber "offensichtlich nicht mehr die Vernunft". Dort würden vielmehr von "Emotionen geleitete Entscheidungen getroffen", sagte der Grünen-Politiker, der eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen warnte, die ein solches Embargo mit sich brächte.

Deutschland könne sich hier auch nicht mit den USA vergleichen, sagte Habeck. Die USA hätten Fracking-Gas, das sie auf der ganzen Welt verkaufen wollten und seien auch selbst ein Öl-Exportland. Er habe mit Partnern in den USA gesprochen, die sich dessen bewusst seien, dass Deutschland und Europa ein Embargo auf russische Energie-Importe nicht "ohne Risiko auf erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen" verhängen könnten.

"Reden nicht über autofreie Sonntage ..."

Gleichzeitig räumte Habeck ein, dass die EU vor allem mit den Ölimporten aus Russland die "Kriegskasse" des russischen Präsidenten Wladimir Putin fülle. Das Problem sei aber: "Wenn wir das tun und die Lieferketten reißen, dann reden wir nicht über autofreie Sonntage oder so etwas, sondern dann reden wir über schwere Schädigungen des wirtschaftlichen Kreislaufs, über Arbeitslosigkeit, über große gesellschaftliche Schäden", sagte Habeck zu den möglichen Folgen eines Embargos. Er sei auch nicht sicher, ob solch ein Embargo über einen längeren Zeitraum durchzuhalten wäre.

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Der Wirtschaftsminister ging auch auf Distanz zu einer an diesem Dienstag veröffentlichten Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Darin waren Wissenschaftler zu dem Schluss gekommen, dass ein Importstopp für russisches Gas unter bestimmten Voraussetzungen für die deutsche Volkswirtschaft verkraftbar wäre. Die Rechnung der Leopoldina sei "abstrakt", spiegele aber nicht "die Wirklichkeit in Deutschland", sagte Habeck dazu.

Deutschland sei für die kommende Zeit zwar sicher mit Gas versorgt, aber für den Winter könne er "noch keine Entwarnung geben", sagte Habeck. Die Preise würden schon jetzt "astronomisch" werden, erklärte der Minister - auch mit Blick auf Preisrekorde an den Tankstellen.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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