Politik

"Stunde null ist gekommen" Haftar trommelt zur Schlacht um Tripolis

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Ein Kämpfer der Regierungstruppen im September in Tripolis.

(Foto: imago images / Xinhua)

Seit dem Tod Muammar al-Gaddafis ist die Lage in Libyen chaotisch, die Einheitsregierung hat über weite Teile des Landes keine Kontrolle. Nun steht eine neue militärische Eskalationsstufe bevor.

Der mächtige General Chalifa Haftar hat den Start einer "entscheidenden" Schlacht um die libysche Hauptstadt Tripolis angekündigt. "Die Stunde null ist gekommen", sagte er in einer Rede, die der Haftar-nahe Fernsehsender Libija al-Hadath übertrug. "Heute verkünden wir die entscheidende Schlacht und den Vormarsch auf das Herz der Hauptstadt." Er sprach von der Stunde "der massiven Einfälle, die jeden befreien und ehrenwerte Libyer sowie unsere Bürger in Tripolis sehnlich erwarten".

In Libyen kämpft Haftars selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) gegen die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis. Die LNA beherrscht weite Teile im Osten und Süden des Landes und hatte im April eine Offensive auf Tripolis begonnen. Zuletzt rückte Haftar nach Angaben des UN-Sonderbeauftragten Ghassan Salamé mithilfe Russlands immer weiter in Richtung der Hauptstadt Tripolis vor.

Haftar sagte, die libysche Armee werde in der Schlacht um Tripolis siegreich sein. Die Stadt sei zu einem Schlupfwinkel für Kriminelle geworden, in dem die Menschen mit Waffengewalt unterdrückt würden. Kurz nach seiner Rede übernahm die LNA nach Angaben von Haftars Pressestelle die Kontrolle über eine Militärakademie südöstlich von Tripolis sowie über die Region Al Tugar südwestlich der Hauptstadt. Die Einheitsregierung erklärte, ihre Truppen hielten ihre Stellungen im Süden der Hauptstadt. "Wir sind bereit, jeden weiteren wahnsinnigen Putschversuch von Haftar zurückzuschlagen", sagte Innenminister Fathi Baschaga im Sender al-Ahrar.

Seit dem Beginn der Offensive Haftars auf Tripolis vor acht Monaten wurden nach UN-Angaben mindestens 200 Zivilisten und mehr als 2000 Kämpfer getötet. 146.000 Menschen wurden darüber hinaus vertrieben. Das ölreiche Libyen war nach dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 ins Chaos gestürzt.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa