Politik

"Hetze hat massiv zugenommen" Hannovers OB schlägt viel Hass entgegen

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Belit Onay berichtet von zunehmendem Hass gegen seine Person.

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

Am Sonntag stimmt die Mehrheit der Wahlberechtigten Hannovers für Belit Onay als ihren neuen Oberbürgermeister. Der 38-Jährige ist der erste Politiker mit Migrationshintergrund, der dieses Amt in einer Landeshauptstadt bekleidet. Doch die Freude über die Wahl wird durch diffamierende Äußerungen getrübt.

Nach Drohungen und Beleidigungen in sozialen Medien gegen den neuen grünen Oberbürgermeister von Hannover, Belit Onay, wollen die Grünen strafrechtliche Schritte gegen die Urheber prüfen. Er sei überrascht von der Masse der Anfeindungen, sagte Onay. Vor seiner Wahl habe es nur wenige diffamierende Äußerungen gegeben, die Hetze habe inzwischen massiv zugenommen.

Der 38 Jahre alte Landtagsabgeordnete Onay gewann am Sonntag die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt. Er erhielt 52,9 Prozent und setzte sich damit gegen seinen CDU-Konkurrenten Eckhard Scholz durch, der 47,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Onay ist bundesweit der erste Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund in einer Landeshauptstadt.

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Niedersachsens Städtetag sicherte Onay die Solidarität und Unterstützung der Bürgermeisterkonferenz zu. Ein frisch gewählter Oberbürgermeister und seine Familie würden bedroht und eingeschüchtert, kritisierte der Vorsitzende der Konferenz, Bürgermeister Jürgen Daul aus der Stadt Holzminden.

Falsche und unwahre Behauptungen, gezielte Fake News, rassistische und fremdenfeindliche Posts seien jedoch nicht hinzunehmen, so Daul weiter. Die Religion oder Abstammung eines Bewerbers um das Amt des Oberbürgermeisters dürften keine Bedeutung haben.

Wahl war vorzeitig nötig geworden

Die Türkische Gemeinde in Deutschland sieht in der Wahl Onays ein "Zeichen der Normalisierung". Es sei ein "hervorragendes Ergebnis", dass es einem "Gastarbeiterkind" möglich sei, Bürgermeister zu werden, sagte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Die Wahl in Hannover erregte besondere Aufmerksamkeit, weil die SPD dort erstmals seit 1946 nicht mehr den Rathauschef stellen wird. Die Wahl war vorzeitig nötig geworden, weil der vorherige Oberbürgermeister Stefan Schostok sein Amt niederlegte. Der Sozialdemokrat steht unter Untreueverdacht und wurde im Mai endgültig in den Ruhestand versetzt. Er beteuerte aber seine Unschuld.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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