Politik

Griechenland-Verhandlungen Hat Merkel Schäuble entmachtet?

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(Foto: picture alliance / dpa)

Ein SPD-Politiker ruft Irritationen hervor: Ihm zufolge darf Finanzminister Wolfgang Schäuble in Sachen Griechenland nicht mehr verhandeln.

In den Verhandlungen über eine Lösung der griechischen Schuldenkrise ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach Ansicht von SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider entmachtet worden. Schäuble habe jetzt die gleiche Stellung wie sein griechischer Kollege Yanis Varoufakis, sagte Schneider im ZDF. "Er darf Interviews geben, aber nicht mehr verhandeln." Jetzt würden die Regierungschefs Alexis Tsipras und Angela Merkel verhandeln.

Griechenlands Regierungschef Tsipras hatte Finanzminister Varoufakis kürzlich angeblich die Verhandlungskompetenzen bei der Lösung des Streits zwischen Griechenland und seinen Gläubigern entzogen. Varoufakis bestreitet das.

Weiter sagte Schneider: "Das führt natürlich dazu, dass viele Kollegen, die sich bisher am Finanzminister orientiert haben, sagen: Bin ich damit noch einverstanden?" Es gebe in der Frage, ob und wie Athen künftig geholfen werden sollte, eine Kluft zwischen Merkel und Schäuble und ein tiefes Zerwürfnis innerhalb der Union. "Festzustellen ist, dass die Unionsfraktion gespalten ist und auch die Regierung", sagte Schneider dem Deutschlandfunk.

Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatschef François Hollande und der griechische Regierungschef Alexis Tsipras wollen wohl an diesem Mittwoch in Brüssel versuchen, einen Kompromiss im Streit um die Forderungen der Gläubiger an Griechenland zu finden. "Ich gehe davon aus, dass wir bis zum 30. Juni eine Einigung erreichen können. Denn es ist sowohl im deutschen, als auch im griechischen Interesse, dass Griechenland den Euro behält", sagte Schneider. Griechenland ist akut von einer Staatspleite bedroht. Das Hilfsprogramm für das Euroland läuft Ende Juni aus.

Quelle: ntv.de, cro/dpa/rts