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Pflegekräfte zu zurückhaltend Hat Söder mit Ruf nach Impfzwang recht?

Eine Pflegerin impft die Bewohnerin eines Altersheims gegen Corona. Foto: Luka Dakskobler/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa/Archivbild

Pflegekräfte sollen neben Heimbewohnern zu den Ersten gehören, die einen Corona-Impfstoff erhalten. Doch manche lehnen das ab.

(Foto: Luka Dakskobler/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa/Archivbild)

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder tritt eine Debatte los, die ein einstiges Versprechen infrage stellt: Für den Corona-Impfstoff werde es keine Impfpflicht geben. Plötzlich soll bei Pflegekräften eine Ausnahme gelten. Doch wie sinnvoll ist das?

Eigentlich hieß es, im Kampf gegen die Corona-Pandemie werde es keine Impfpflicht geben. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass eine Impfung gegen das Virus freiwillig sei. Dieses Versprechen steht nun wieder zur Debatte. Zumindest für bestimmte Berufsgruppen müsse eine Verpflichtung her, fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der eine "zu hohe Impfverweigerung" unter Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen beklagt.

Die Impfbereitschaft sei "theoretisch hoch, in der Praxis relativiert sich das dann", kritisierte Söder nach einer Kabinettssitzung. Es gehe um den Schutz der Älteren. Deswegen "sollten wir uns überlegen, an dieser Stelle einen Beitrag zu leisten". Söder hat sich laut "Süddeutscher Zeitung" bereits mit dem Ethikrat in Verbindung gesetzt und Vorschläge gefordert, "ob und für welche Gruppen eine Impfpflicht denkbar wäre". Sich impfen zu lassen, sollte als Bürgerpflicht angesehen werden, so der CSU-Chef.

Tatsächlich lassen Studien unter medizinischem Personal vermuten, dass die Skepsis gegen den Corona-Impfstoff größer ist als gedacht. In einer bundesweiten, nicht repräsentativen Erhebung der deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin wurden zwischen dem 3. und 12. Dezember 2305 Menschen aus dem Medizinsektor zu ihrer Impfbereitschaft befragt. Das Ergebnis: Nur etwa die Hälfte der Pflegekräfte will sich sofort impfen lassen. Bei Ärzten liegt die Bereitschaft bei immerhin 73 Prozent.

Pflegekräfte unter Generalverdacht

Damit korreliert die Bereitschaft zur Impfung gegen Covid-19 weitgehend mit jener bei einer Influenza-Impfung. In einer Onlinebefragung von Krankenhauspersonal (OKaPII-Studie) ist die Impfbereitschaft unter Ärzten zur Influenza-Impfung ebenfalls um einiges höher als unter Pflegekräften. Selbst die Zahlen sind ungefähr gleich: Lag die Impfbereitschaft unter Pflegekräften mit 46,7 Prozent im Jahr 2019/20 nur knapp unter den Werten aus der Corona-Befragung, ist sie bei Ärzten mit 79,3 Prozent im Vergleich zu 73 Prozent ein wenig höher.

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Trotzdem lehnt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe eine Impfpflicht strikt ab. "Das wäre völlig falsch", sagt Pressereferentin Anja Kathrin Hild ntv.de. "In der aktuellen Situation von einer Impfpflicht zu sprechen, während es nicht mal genügend Impfstoff für alle Freiwilligen gibt, ist kontraproduktiv." Zudem seien die Umfragen zur Impfbereitschaft nicht belastbar. "Die Zahlen sind nicht repräsentativ", sagt Hild. Auch über die Gründe derer, die den Impfstoff verweigern, wisse man bis heute noch zu wenig.

Pflegekräfte würden auf diese Weise unter Generalverdacht gestellt, klagt Hild. Wichtiger sei dagegen, herauszufinden wo noch Informationsbedarf bestehe. "Eine gut aufbereitete Aufklärungskampagne ist wirksamer als ein Impfzwang." Stattdessen werde ein starker moralischer Druck auf die Pflegekräfte ausgeübt.

Trend geht Richtung höherer Akzeptanz

In einigen Pflegeeinrichtungen drohen dem Personal bereits Konsequenzen, sollten sie sich nicht freiwillig gegen Covid-19 impfen lassen. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Schreiben des Brandenburger Pflegedienstes Henningsdorf GmbH, in der es heißt, die Impfung sei zwar freiwillig, aber man habe eine besondere Sorgfaltspflicht gegenüber den Pflegekunden. "Da ungeimpfte Beschäftigte eine Gesundheitsgefahr für die Kunden bedeuten, sind arbeitsrechtliche Konsequenzen möglich", heißt es darin. Der Chef des Pflegedienstes, Herbert Weiss, erklärte der "Märkischen Allgemeinen Zeitung", der Pflegedienst trage die Verantwortung für die Risikogruppen, die er täglich versorge und müsse sowohl den Arbeits- als auch den Infektionsschutz gewährleisten.

Tatsache ist, dass eine Impfbereitschaft von nur knapp 50 Prozent zur Eindämmung des Infektionsgeschehens zu niedrig ist. Selbst bei einem 100 Prozent funktionierenden Impfstoff würde die Impfdichte "nicht ausreichen, um die Verbreitung des Virus zu stoppen", schreiben die Autoren der "Cosmo"-Studie von der Universität Erfurt. Doch neue Zahlen zeigen auch, dass die Impfbereitschaft unter Pflegekräften zuletzt im Dezember und Januar wieder auf fast 60 Prozent gestiegen ist, nachdem sie in den Monaten zuvor stetig gefallen war. Der Trend geht also eher in Richtung einer höheren Akzeptanz für den Impfstoff.

Auch der Koalitionspartner stellt sich gegen den Vorstoß von Markus Söder. SPD-Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte im "Frühstart" von ntv, im Moment über eine Impfpflicht zu spekulieren, "verbietet sich". Auch er fordert, bei den Pflegekräften und Medizinern stärker für die Impfung zu werben. "Ich will vor allem Impfakzeptanz. Jetzt geht es darum, aufzuklären, dass Impfen wichtig ist", so Heil. Auch aus der CDU kommt Kritik: "Ich bin kein Freund einer Impfpflicht", sagt etwa Vorsitzkandidat Friedrich Merz. Wie fatal eine Impfpflicht wäre, zeigen die Zahlen: Nur 37 Prozent aller Befragten würden laut der Cosmo-Studie einer Impfpflicht zustimmen.

Quelle: ntv.de