Politik

USA versuchen zu vermitteln Hongkonger trotzen Nationalfeiertag

Schweigend verfolgen die Demonstranten in Hongkong die Zeremonie zum chinesischen Nationalfeiertag. Es bleibt friedlich. Doch die Lage ist angespannt, Peking will nicht nachgeben. Derweil wollen die USA die Forderungen der Bewegung thematisieren.

Trotz der Furcht vor einem Eingreifen der Polizei am chinesischen Nationalfeiertag sind weiterhin Tausende Demonstranten in Hongkong auf die Straßen gegangen. Eine Fahnenzeremonie unter Teilnahme des Hongkonger Verwaltungschefs Leung Chun-Ying blieb zunächst friedlich. Die Demonstranten fordern neben mehr Demokratie auch Leungs Rücktritt.

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Hongkongs Regierungschef und chinesische Funktionäre feiern derweil mit Gesang und Sekt den Nationalfeiertag.

(Foto: REUTERS)

Die Protestler begleiteten die Zeremonie mit einem Schweigeprotest. Demonstrativ wandten Studentenführer Joshua Wong und andere Demonstranten der traditionellen Zeremonie den Rücken zu, als die chinesische und Hongkonger Flagge gehisst wurden. Sie hielten schweigend die Hände über Kopf gekreuzt.

Der pro-demokratische Abgeordnete Leung Kwok Hung wurde von Sicherheitskräften abgeführt, als er kurz vor Abspielen der chinesischen Nationalhymne lauthals "echte Wahlen" forderte. Als Zeichen seiner Unterstützung für die Demokratiebewegung spannte Bezirksrat Paul Zimmermann mitten während der Zeremonie zum Nationalfeiertag einen gelben Regenschirm auf.

In seiner Rede ging Leung nicht ausdrücklich auf die Proteste ein. Er sagte lediglich, es sei zwar verständlich, wenn es unterschiedliche Meinungen zu den erwünschten Reformen gebe, jedoch seien "allgemeine Wahlen" allemal besser als keine. Gleichzeitig beschwor er die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit zwischen Hongkong und dem Festland.

Furcht vor gewaltsamer Räumung

Die Proteste weiteten sich zudem auf das Einkaufsviertel Tsim Sha Tsui aus. Bereits in der Nacht hatten Tausende Menschen dem Regen getrotzt. Auf den Straßen waren zunächst nur wenige Polizisten zu sehen. Die Demonstranten befürchten, dass die Regierung die Straßen der Wirtschaftsmetropole mit Gewalt räumen lassen könnte.

Der Vorsitzende von Hongkongs Studentenverband, Alex Chow, warnte vor einer Ausweitung der Proteste, sollte die Regierung bis Donnerstag nicht auf die Forderungen reagieren. Die Führung in Peking machte aber bereits deutlich, dass sie zu keinen Zugeständnissen bereit ist.

Die größten Massenproteste seit der Aufnahme der ehemaligen britischen Kolonie in den chinesischen Staat 1997 entzündeten sich am Beschluss der kommunistischen Führung in Peking, bei der Wahl des Hongkonger Verwaltungschefs 2017 nur handverlesene Kandidaten zuzulassen. Damit ist eine Kandidatur von Regierungskritikern faktisch unmöglich.

Kerry trifft Chinas Außenminister

Am Dienstag hatte Regierungschef Leung einen Rücktritt abgelehnt und ein Ende der "illegalen" Proteste gefordert. Peking werde seine Pläne für nur begrenzte Demokratie nicht zurücknehmen, sagte Leung.

Die Krise in Hongkong dürfte auch bei einer Unterredung zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem chinesischen Kollegen Wang Yi zur Sprache kommen. Das Gespräch sei bereits vor Beginn der Proteste vereinbart worden, doch werde über sie sicherlich auch gesprochen, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki.

Die Chefin der Hongkonger Demokratie-Partei, Emily Lau, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die Proteste zu unterstützen. Auf ihr Wort höre Peking, sagte Lau der "Bild"-Zeitung. Dass die Zentralregierung militärisch eingreift, um die Demonstrationen zu stoppen, glaubt sie nicht: "Das kann sich das Regime nicht leisten. Wenn Peking Panzer schickt, dann bricht Hongkong zusammen", sagte sie dem Blatt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP/rts

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