Rechtsextremer AufmarschHunderte Vermummte blockieren Hafen von Dover

In Großbritannien protestiert eine rechtsextreme Gruppe rund um den Hafen von Dover gegen Migration. Hunderte Vermummte blockieren Straßen nahe dem wichtigen Drehkreuz für den Fährverkehr in Richtung Europa.
Eine große Gruppe vermummter Rechtsextremer hat die Zufahrt zum englischen Hafen von Dover blockiert. Die Polizei bestätigte auf X eine Protestveranstaltung. Sie sei in Kontakt mit den Demonstranten. Auf Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken, die die Situation vor Ort zeigen sollen, sind schwarz gekleidete Menschen mit Sturmhauben auf dem Kopf zu sehen.
Der "Guardian" berichtet, dass sich mutmaßlich mehrere Hundert Personen an den Protesten beteiligten. Bei der BBC heißt es, alleine an einem Bahnsteig am Bahnhof von Dover hätten sich mindestens hundert Vermummte befunden.
In den sozialen Medien kursierende Videos zeigten Demonstranten, die eine Autobahn blockieren und "Stop the boats" ("Stoppt die Boote" oder "England till i die" ("England bis zum Tod") rufen. Eine Gruppe namens "Patriot Platform", die sich selbst als von "einer leidenschaftlichen Liebe zu unserem Vaterland" geprägt bezeichnet, übernahm laut "Guardian" auf Social Media die Verantwortung für die Blockade.
Der rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson verbreitete ebenfalls mehrere Videos der Aktionen in Dover. Er verwies ebenfalls auf die "Patriot Platform" und rief seine Follower auf, die Protestierenden zu unterstützen.
Regierung kritisiert Blockaden
Ein Regierungssprecher kritisierte den Protest scharf. "Das Recht auf friedlichen Protest ist ein grundlegender Bestandteil unserer Demokratie, doch wir verurteilen das Verhalten in Dover und die dadurch verursachten Verkehrsbehinderungen", sagte er der Nachrichtenagentur PA zufolge. Ein Kommunalpolitiker äußerte, es handle sich offenbar um eine koordinierte Gruppe mit mehreren Hundert maskierten Männern, die sich "äußerst einschüchternd" verhielten.
Über den Ärmelkanal kommen jährlich Tausende Migranten in kleinen Booten an der Südostküste Englands an. Die Regierung in London versucht seit Langem, getrieben auch vom wachsenden Erfolg der rechtspopulistischen Partei Reform UK, ihre Zahl einzudämmen. Offiziellen Angaben zufolge waren es in diesem Sommer so wenig Boote wie seit 2019 nicht mehr, auch wegen gemeinsamer Abkommen mit der französischen Regierung.
Der Hafen bestätigte auf X, dass der Zwischenfall alle Zufahrts- und Abfahrtswege sowie den Verkehr rund um die Stadt betreffe. Am frühen Nachmittag folgte eine Entwarnung. Der Verkehr fließe wieder ungehindert, hieß es. Ein Fährunternehmen hatte zuvor mitgeteilt, dass alle Überfahrten vorerst wie geplant stattfinden sollen. Wer seine gebuchte Abfahrt in Dover verpasse, werde auf die nächste verfügbare Gelegenheit gebucht. Dover ist der verkehrsreichste internationale Fähr- und Passagierhafen des Vereinigten Königreichs.
