Politik

Granatenbeschuss in der Nähe IAEA-Experten erreichen Saporischschja

312682760.jpg

Der Konvoi der IAEA ist in Saporischschja eingetroffen. Zum AKW geht es aber erst morgen.

(Foto: picture alliance / abaca)

Nach Monaten der Verhandlungen ist ein Team von Atomexperten in der Stadt Saporischschja angekommen - trotz ukrainischer Meldungen über russischen Beschuss in der Nähe. Die letzte Etappe fehlt nun noch: Der endgültige Zugang zum umkämpften Atomkraftwerk der Stadt.

Auf dem Weg zum ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja ist das Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in der gleichnamigen Stadt in der Südukraine eingetroffen. Ein Konvoi aus rund 20 Fahrzeugen - darunter auch ein Rettungswagen - seien in Saporischschja angekommen, bestätigte ntv-Reporterin Nadja Kriewald.

Die Experten würden heute allerdings nicht mehr weiterfahren zum AKW, sondern zunächst eine Nacht in der Stadt verbringen, berichtete Kriewald. Morgen werde es dann durch die Pufferzone und über die Frontlinie zu dem umkämpften Kraftwerk gehen. Voraussetzung dafür sei, "dass es bis dahin eine Feuerpause gibt".

Nach dem Aufbruch des IAEA-Teams in Kiew hatte die russische Armee nach ukrainischen Angaben die Stadt Enerhodar in der Nähe des Kraftwerks beschossen. Die Stadt am Dnipro werde von den Russen mit Granaten angegriffen, erklärte der Militärverwalter des Bezirks Nikopol, Ewhen Jewtuschenko.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, betonte, dass er sich mit seinem Team in ein Kriegsgebiet begebe. Deshalb seien zuvor Sicherheitsgarantien nicht nur Russlands, sondern auch der Ukraine notwendig gewesen. "Wir haben eine wichtige Aufgabe zu erfüllen - die tatsächliche Situation dort zu erfassen und daran mitzuwirken, die Lage so gut wir können zu stabilisieren", erklärte er.

Russland begrüßt ständige IAEA-Präsenz

Das mit sechs Reaktoren größte Kernkraftwerk Europas wird seit Anfang März von russischen Truppen kontrolliert. In den vergangenen Wochen war die Gegend um das AKW wiederholt beschossen worden, wofür sich die Ukraine und Russland gegenseitig verantwortlich machten. Der Beschuss nährte die Furcht, dass es in Saporischschja zu einer ähnlichen Atomkatastrophe kommen könnte wie 1986 im ukrainischen, damals zur Sowjetunion gehörenden Tschernobyl.

Mehr zum Thema

IAEA-Chef Grossi hatte über Monate Zugang zu der Anlage in Saporischschja gefordert - und Anfang August vor der "sehr realen Gefahr einer nuklearen Katastrophe" gewarnt. Zudem schlug er vor, dass die UN-Behörde an dem Kernkraftwerk eine dauerhafte Präsenz einrichten könnte. Man begrüße den Vorschlag, sagte der russische Gesandte für die internationalen Organisationen, Michail Uljanow, in Wien.

Saporischschja ist zwar von russischen Truppen besetzt, wird aber noch von ukrainischen Technikern betrieben. Am Dienstag hatten die IAEA-Inspektoren den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew getroffen.

Quelle: ntv.de, jug/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen