Politik

Auch ohne Bekennerschreiben IS-Anhänger feiern Londoner Terroranschlag

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Am Morgen nach dem Anschlag laufen die Ermittlungen auf Hochtouren.

(Foto: REUTERS)

Noch gibt es kein offizielles Bekenntnis einer Terrorgruppe zu der Attacke von London. Doch die Experten sind sicher: Das war islamistisch motivierter Terrorismus. Die Anhänger des Islamischen Staates feiern bereits.

Bislang hat sich niemand zu dem nächtlichen Anschlag von London bekannt. Doch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) feiert die Attacke mit sechs Toten und zahlreichen Verletzen bereits als Erfolg. Das berichtete die auf die Auswertung dschihadistischer Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group in der Nacht unter Berufung auf IS-nahe Medien. Der IS hat den Anschlag bisher nicht offiziell für sich reklamiert.

Die Terrorgruppe hatte den Anschlag auf das Popkonzert in Manchester vor zwei Wochen für sich beansprucht. Die Extremisten warnten, dass das, "was als nächstes kommt", noch schlimmere Folgen für "die Anhänger des Kreuzes" haben werde, twitterte die Direktorin der Site-Group, Rita Katz. Sie verwies darauf, dass am Anschlagstag in einer dem IS nahe stehenden Chat-Gruppe Mitglieder aufgefordert worden seien, Zivilisten mit Fahrzeugen, Schusswaffen und Messern zu töten.

Auch der Terrorismus-Experte Michael Ortmann vertrat bei n-tv die Auffassung, dass die Tat die Züge islamistischer Terrorangriffe trage. Das Anschlagsszenario gleiche erheblich dem früherer Attacken. Auch die Auswahl der Ziele, Orte, auf denen sich Menschen vergnügen, spreche dafür.  Deshalb gehe er von einer islamistischen Motivation der Angreifer aus. Ortmann wollte sich jedoch nicht auf den IS festlegen, der für den Ramadan zu neuen Attentaten aufgerufen hatte, da auch Al Kaida immer wieder blutige Attentate verübt.

Motivationsschreiben statt Handlungsanweisungen

Anfang April hatte eine Gruppe von Hackern, die dem IS nahestehen, eine Liste mit über 8500 Namen und Adressen in den USA und Großbritannien veröffentlicht. Dazu verbreitete das United Cyber Caliphate die Anweisung: "Töte sie, wo immer du sie findest." Ortmann zufolge könnten Aufrufe wie dieser unabhängige Einzeltäter zu Attacken motivieren. Allerdings sprächen die Londoner Angaben über drei agierende Täter in einem Auto für einen "gewissen Organisationsgrad".

In Großbritannien gebe es eine große islamistische Szene, die derzeit wie "entfesselt" agiere, sagte Ortmann auch mit Blick auf das Attentat auf ein Pop-Konzert in Manchester vor zwei Wochen. Bisher habe der Austausch der internationalen Nachrichtendienste immer so gut geklappt, dass viele Terrorangriffe verhindert werden konnten. Keiner der letzten Anschläge sei jedoch vorhergesehen worden. "Das ist besorgniserregend", so Ortmann.

Schon im Dezember 2016 warnte die Europäische Polizeibehörde Europol, dass Großbritannien zu den Ländern gehöre, die ganz oben auf der Liste für mögliche Terrorangriffe stehen. Terroristen hatten am Samstagabend in London bei Attacken auf die London Bridge und den nahe gelegenen Borough Market mindestens sechs Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

Quelle: ntv.de, sba/dpa