Politik

Lindner über Jamaika-Aus "Ich würde es heute anders machen"

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"Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", an diesem Satz hält FDP-Chef Lindner fest.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im neuen Podcast von Ulrich Wickert räumt FDP-Chef Christian Lindner ein, dass er den Ausstieg aus den Jamaika-Verhandlungen 2017 besser hätte einleiten können. Zu seinem zentralen Satz von damals steht er jedoch bis heute.

FDP-Chef Christian Lindner hat mit Blick auf die von ihm abgebrochenen Jamaika-Sondierungen nach der Bundestagswahl 2017 Fehler eingeräumt. Im Podcast des Journalisten, Autors und Ex-Tagesthemen-Moderators Ulrich Wickert sagte Lindner zwar: "Wenn alle gegen Sie kommunizieren, haben Sie keine Chance, mit Ihren Argumenten durchzudringen." Mit dem Abstand von drei Jahren erkenne er allerdings auch eigene Versäumnisse: "Ich würde es heute anders machen", so Lindner.

Er hätte am letzten Abend der Verhandlungsrunde vor die Presse treten müssen, um fünf inhaltliche Kernpunkte zu nennen, die nach Meinung der FDP Eingang ins Regierungsprogramm finden müssten, so Lindner. Da diese Punkte während der vierwöchigen Verhandlungsphase nicht erreichbar gewesen wären, hätte man dann ankündigen müssen, sich zwei Tage zurückzuziehen "und überlegen, ob es noch weiter Sinn macht".

Eine solche Eskalation wäre im Nachhinein vielleicht besser gewesen als der Abbruch, so der FDP-Chef: "Käme es noch einmal zu einer solchen Situation, würde ich eher dieses Mittel wählen, weil man dann nach zwei Tagen immer noch sagen kann: keine Bewegung beim anderen. Dann wären zumindest einmal die Punkte verankert worden."

Seinen umstrittenen Satz "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", verteidigt Lindner allerdings auch gegen Wickerts massiven Einspruch: "Der Satz ist perfekt!" Den hätte er sich auch vom ehemaligen FDP-Landeschef Thomas Kemmerich gewünscht, nachdem dieser sich bei der Landtagswahl in Thüringen im Februar mithilfe der Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten habe wählen lassen.

Als Reaktion auf Wickerts Vorhaltung, warum er trotz eindeutiger Warnungen vor dem Tabubruch so passiv geblieben sei, beharrt Lindner darauf, seine Macht sei zu diesem Zeitpunkt lediglich "aufs Fragen" beschränkt gewesen. Erst nach der Wahl habe er andere Möglichkeiten gehabt und Kemmerich den Rücktritt nahe gelegt. Ansonsten hätte er mit Konsequenzen gedroht, so Lindner, "indem nämlich ich als Vorsitzender zurücktreten müsste. Aber nicht, um mich aus der Politik zurückzuziehen, sondern mit maximaler Distanzierung erst recht in den Kampfmodus zu kommen, um das einzige Machtmittel, das ich habe zu nutzen." Der Politiker weiter: "Man kann einen Landesparteitag einberufen und da sprechen. Dazu ist es dann aber ja nicht gekommen, weil Herr Kemmerich dann erkannt hat, in was für eine Lage er sich selbst manövriert hat."

Von Wickert auf die anhaltende Debatte angesprochen, seine Partei sei nach wie vor hauptsächlich ein "Männerverein", prognostiziert der Parteichef, dass beim Bundesparteitag der FDP an diesem Samstag in Berlin auch ohne eine Quote vier von neun gewählten Plätzen im Präsidium von weiblichen Führungskräften besetzt würden. "Das heißt, wir hätten innerhalb der gewählten Parteispitze einen Anteil von 44 Prozent Frauen."

Der Podcast "Wickert trifft" mit Christian Lindner ist auf Audio Now sowie allen anderen bekannten Podcast-Plattformen abrufbar. In der vierten Ausgabe seines Podcasts spricht Ulrich Wickert mit Christian Lindner über Politik und Persönliches, über Philosophie, sein Verhältnis zur Kirche und die Fridays-for-Future-Bewegung sowie seine Erfahrungen als Hobby-Jäger.

Quelle: ntv.de, jth