Politik

Als zweites EU-Land nach Ungarn Im Alleingang: Kroatien will Sputnik V prüfen

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Ungarn hat als erstes EU-Land Impfdosen aus Russland bestellt.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Der langsame Impfstart in der EU führt in den 27 Mitgliedstaaten zu viel Kritik - Ungarn geht als erstes EU-Land ohne Brüssel auf die Suche nach Impfstoff. Nun folgt Kroatien und möchte auch den russischen Impfstoff Sputnik V bestellen. Das Vakzin ist noch nicht von der EMA zugelassen.

Nach Ungarn bemüht sich Kroatien als zweites EU-Land im Kampf gegen die Corona-Pandemie um den russischen Impfstoff Sputnik V. "Wir haben diplomatische Kontakte geknüpft", sagte Gesundheitsminister Vili Beros im öffentlich-rechtlichen Fernsehen HRT. "Es ist nur eine Ausweitung der Anstrengungen der Regierung, allen Bürgern unentgeltlich einen Impfstoff zur Verfügung zu stellen."

Wichtig seien lediglich zwei Kriterien, fügte Beros hinzu: die Wirksamkeit und die Sicherheit. Sputnik V ist derzeit in der EU nicht zugelassen. Die kroatische Arzneimittelbehörde Halmed könne gegebenenfalls eine Notzulassung erteilen. Dies sei nach EU-Recht möglich, insbesondere wenn der Impfstoff innerhalb der EU knapp sei. "Jeder sucht nach seinem eigenen Weg", sagte Beros.

Der Minister wollte sich nicht näher dazu äußern, in welchen Mengen Kroatien den russischen Impfstoff bestellen möchte. Das Nachrichtenportal jutarnji.hr berichtete unter Berufung auf Quellen im Umkreis von Ministerpräsident Andrej Plenkovic, dass es sich um mindestens eine Million Dosen handeln würde. Damit könnten 500.000 Menschen geimpft werden. Kroatien hat vier Millionen Einwohner.

Ungarns Alleingang

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Als bisher einziges EU-Land verabreicht Ungarn den Impfstoff Sputnik V. Bisher wurden aber erst wenige Bürger damit geimpft. Ungarn hat in Russland zwei Millionen Dosen bestellt. Ein entsprechender Vertrag sei unterzeichnet worden, teilte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto mit. Der Impfstoff solle in drei Tranchen geliefert werden. Darüber hinaus plant das Land auch den Einsatz von Millionen Dosen des Vakzins des chinesischen Unternehmens Sinopharm.

Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, blickt mit Sorge auf chinesische und russische Impfstofflieferungen in den Westbalkan. "Wir machen es Russland und China gerade zu leicht, als Impfstofflieferanten geostrategischen Profit aus der Lage zu schlagen. Hier müssen wir dringend besser werden", sagte der SPD-Politiker dem Nachrichtenportal "The Pioneer". Er forderte die Europäische Union auf, möglichst rasch Impfdosen an die Staaten des Westbalkans zu schicken und ein "Zeichen der Solidarität" zu setzen. "Die Menschen in der Region müssen spüren, dass wir sie nicht alleinlassen."

Quelle: ntv.de, cls/dpa/rts

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