Politik

Rätselhafte Explosion in Donezk Im Donbass läuft das russische Kriegsdrehbuch

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Ein von der russischen Agentur Tass zur Verfügung gestelltes Bild: Das Auto eines hohen Separatistenfunktionärs in Donezk wurde gesprengt. Mehr ist nicht bekannt.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Sirenen heulen, ein Auto explodiert, die Separatisten im Donbass fordern die Zivilisten zur Flucht nach Russland auf. Angeblich stehe ein ukrainischer Angriff bevor. Putin verspricht Hilfszahlungen. Außenministerin Baerbock warnt vor Fehlinformation: Menschen weigerten sich, in die Busse zu steigen.

Wegen der Gefahr einer militärischen Eskalation in der Ostukraine haben die moskautreuen Separatisten Zivilisten zur Flucht in das Nachbarland Russland aufgefordert. Zuerst sollten "Frauen, Kinder und ältere Leute" in Sicherheit gebracht werden, sagte der Chef der Donezker Separatisten, Denis Puschilin, in einer Ansprache. "Eine zeitweise Ausreise bewahrt Ihnen und Ihren Verwandten das Leben."

Außenministerin Annalena Baerbock warnte vor bewusst verbreiteten Falschinformationen in dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Mit Hinweis auf die Berichte über Evakuierung von Frauen und Kindern aus den von prorussischen Separatisten sagt sie, es gebe auch Berichte, dass diese nicht in bereitgestellte Busse einsteigen wollten.

Auto eines ranghohen Funktionärs explodiert

Kurz nach der Ansprache des Separatistenführers explodierte das Auto eines ranghohen Funktionärs vor dem Regierungsgebäude in Donezk, wie örtliche Medien berichteten. Es sei niemand verletzt worden. Die Hintergründe waren unklar. Auch die Führung der selbsternannten Volksrepublik Luhansk rief die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Regierung in Moskau an, den Flüchtlingen 10.000 Rubel (rund 116 Euro) Soforthilfe auszuzahlen. Zugleich ordnete Putin laut Agentur Interfax an, in Russland Unterkünfte für Einwohner des Donbass bereitzustellen. Dafür solle Katastrophenschutzminister Alexander Tschuprijan unverzüglich in die Region von Rostow am Don reisen. Die Separatisten versammelten laut Interfax Kinder bei einem Waisenhaus, um mit ihnen die Evakuierungen nach Russland zu beginnen.

Kiew weist Angriffspläne kategorisch zurück

Die Separatisten warfen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, er wolle "in nächster Zeit" eine Militäroffensive starten. Der Oberkommandierende der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, wies angebliche Angriffspläne Kiews in einer Videobotschaft erneut zurück. "Eine Angriffsoperation im Donbass führt unvermeidlich zu zahllosen Opfern in der Zivilbevölkerung, daher werden solche Szenarien nicht einmal in Betracht gezogen", betonte der 48-Jährige. Kiew wolle den Konflikt friedlich lösen. "Glaubt den Lügen der Besatzer nicht", wandte der Militär sich an die Einwohner der Separatistengebiete.

Puschilin sagte dagegen, dass die Kampftruppen bereit seien, das "Staatsgebiet" gegen einen Angriff der Ukraine zu verteidigen. "Wir werden siegen", sagte er. In Videos aus Donezk waren Sirenen zu hören. Busse sollten die Menschen in Unterkünfte in das benachbarte Gebiet Rostow im Süden Russlands bringen. Die Menschen sollten nur die notwendigsten Dinge wie Dokumente, Geld, Wechselsachen und Medikamente mitnehmen.

USA: Evakuierungen zynisch und verlogen

Die Ankündigung der pro-russischen Rebellen in der Ukraine, Zivilisten aus den von ihnen kontrollierten Gebieten nach Russland zu bringen, sorgte bei den USA für Empörung. Es handele sich um ein "zynisches" Manöver, bei dem Menschen als "Unterpfand" missbraucht würden, erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Rand der Münchner Sicherheitskonferenz. "Es ist zynisch und grausam, Menschen als Unterpfand zu benutzen, um die Welt von der Tatsache abzulenken, dass Russland seine Truppen in Vorbereitung eines Angriffs verstärkt." Die Evakuierungs-Ankündigungen der pro-russischen Rebellen seien "ein weiterer Versuch, um durch Lügen und Desinformation zu verschleiern, dass Russland der Aggressor in dem Konflikt ist", fügte der Sprecher hinzu.

Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatten zuletzt eine massive Zunahme von Schusswechseln festgestellt. Die Verstöße gegen eine zwischen Separatisten und Regierungseinheiten vereinbarte Waffenruhe lösten international Beunruhigung aus. In dem seit 2014 andauernden Konflikt um die abtrünnigen Gebiete Luhansk und Donezk starben nach UN-Schätzungen bisher mehr als 14.000 Menschen, die meisten von ihnen in den von den Separatisten kontrollierten Gebieten.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/rts/AFP

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