Politik

68.000 Betroffene in Deutschland Immer mehr Fälle von Genitalverstümmelung

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Genitalverstümmelung hat schwerwiegende Folgen für die Betroffenen, so auch für diese Frau aus Somalia, die 2016 in einer Berliner Klinik behandelt wurde.

(Foto: picture alliance / Wolfram Kastl)

Genitalverstümmelung ist eine schwere Straftat, viele Betroffene leiden ein Leben lang. Auch in Deutschland sind immer mehr Frauen betroffen. Tausende Mädchen sind von dem Eingriff bedroht, doch es gibt auch Hilfe.

Die Zahl der Mädchen und Frauen, die von Genitalverstümmelung betroffen sind, ist in Deutschland deutlich gestiegen. 68.000 Frauen und Mädchen seien betroffen, so die Bundesfamilienministerin und SPD-Politikerin Franziska Giffey. Im Vergleich zu Daten, die das Ministerium im Februar vor drei Jahren vorgelegt hatte, sei das ein Anstieg um 44 Prozent.

Die meisten betroffenen Frauen stammten aus Eritrea, Somalia, Indonesien, Ägypten und Nigeria. Der Grund für den Anstieg ist laut Giffey die gestiegene Zuwanderung aus diesen Staaten. Auch bei den Minderjährigen seien die Zahlen erschreckend hoch: Bis zu 14.880 Mädchen seien in Deutschland von Genitalverstümmelung bedroht.

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Giffey sprach zugleich davon, dass es nicht einfach sei, solche Daten zu erheben. "Es ist ein Straftatbestand, sodass wir uns hier im Rahmen einer Dunkelfeldforschung bewegen." Die Erhebung wurde den Angaben zufolge im Auftrag des Ministeriums nach einer vom Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen entwickelten Methodik erstellt.

"Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und eine archaische Straftat, die Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung verletzt", sagte die SPD-Politikerin. Ziel sei es, Mädchen und junge Frauen davor zu schützen und Hilfe anzubieten. Unterstützung für Betroffene könnten etwa Hebammen leisten. Zudem verwies Giffey auf das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen", das rund um die Uhr auch mit mehrsprachigen Ansprechpartnern erreichbar ist.

Quelle: ntv.de, jkl/dpa