Politik

UN-Appell für "humanitäre Pausen" In Aleppo gibt es kein Wasser mehr

df504a339f117220f335c1ca94bf40b9.jpg

Zivilisten fliehen vor den Kämpfen in der Provinz Aleppo - begleitet von bewaffneten Rebellen.

(Foto: REUTERS)

Die humanitäre Lage in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo wird immer prekärer: Mittlerweile fehlt es den Zivilisten nicht nur an Nahrung und Medikamenten - seit vier Tagen gibt es auch kein Wasser mehr. Die Uno fordert erneut eine zweitägige Waffenruhe.

Angesichts der erbitterten Kämpfe um die nordsyrische Großstadt Aleppo hat die Uno "wöchentliche 48-stündige humanitäre Pausen" gefordert, um hilfsbedürftige Menschen in Aleppo mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen. In der Stadt gebe es seit vier Tagen kein Wasser, die Lage sei "katastrophal", hieß es. Zwei Millionen Menschen droht derzeit die Belagerung. Darunter sind 275.000 Menschen, die in den von den Rebellen kontrollierten Vierteln im Osten Aleppos eingeschlossen sind. Die Uno mahnte, die Belagerung von Zivilisten stelle ein Kriegsverbrechen dar.

6f13e319786fe8ce37ef4a0bed422809.jpg

Waren werden in Aleppos Osten seit der Belagerung nicht mehr verkauft. Die Marktstände bleiben leer.

(Foto: REUTERS)

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte, durch die Unterbrechung der Wasserversorgung infolge der gekappten Stromversorgung für eine Pumpstation drohe die Ausbreitung von Krankheiten. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius fehlt es seit Tagen an Wasser. "Kinder und Familien in Aleppo sind in einer katastrophalen Situation", warnte Unicef. Man könne mit der Wiederherstellung der Wasserversorgung "nicht warten, bis die Kämpfe aufhören. Das Leben der Kinder ist in ernster Gefahr", erklärte die UN-Organisation.

Die einstige Wirtschaftsmetropole ist seit dem Sommer 2012 zwischen Rebellen und syrischer Regierung geteilt. Mitte Juli hatten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad den Osten Aleppos komplett eingeschlossen, doch gelang es islamistischen Aufständischen kürzlich, den Belagerungsring wieder zu durchbrechen. Nun drohen die von der Regierung gehaltenen Bezirke im Westen von der Außenwelt abgeschnitten zu werden. Zuletzt gelang es der Regierung zumindest, über eine Straße im Norden einen Hilfskonvoi in die Stadt zu bringen.

Steinmeier: "Brutales Spiel um Macht"

Syrische und russische Kampfflugzeuge verstärkten in den vergangenen Tagen ihre Angriffe auf die Aufständischen - darunter die islamistische Fateh-al-Scham-Front, die frühere Al-Nusra-Front. Berichten zufolge wurden bei den Kämpfen seit Ende Juli mindestens 130 Zivilisten getötet, Krankenhäuser bombardiert und das Wasser- und Elektrizitätsnetzwerk beschädigt. Die Uno rief die Konfliktparteien auf, Experten umgehend zu erlauben, die Wasser- und Stromleitungen zu reparieren.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich entsetzt über die Lage in Aleppo. "Die Bilder aus Aleppo sind an Grausamkeit kaum zu überbieten", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Seit nunmehr fünf Jahren wird auf dem Rücken der Menschen ein brutales Spiel um Macht in der Region gespielt. Und einige der Akteure haben derzeit keinerlei Interesse, den Konflikt zu beenden." Zugleich versicherte der Minister, er suche mit seinen Kollegen weiterhin "ununterbrochen nach Wegen, die Kriegsparteien zu Verhandlungen zu bewegen".

Quelle: n-tv.de, jug/AFP

Mehr zum Thema