Politik

Vor 70 Jahren In Sekunden wurde Nagasaki pulverisiert

Luftaufnahmen des japanischen Nagasaki veranschaulichen das Ausmaß der Zerstörung durch den Abwurf der Atombombe über der Stadt im Jahr 1945. Nagasaki wurde regelrecht pulverisiert.

Zwei Fotos zeigen, wie Nagasaki vor 70 Jahren dem Erdboden gleichgemacht wurde. Am 9. August 1945 um 11.02 Uhr Ortszeit explodierte eine Atombombe über der japanischen Stadt. Es war das zweite und bislang letzte Mal, dass eine Atombombe in einem Krieg eingesetzt wurde.

Dieses Bild entstand vor dem Abwurf:

Nagasaki 1.png

(Foto: RWU Archives and Special Collections / Digital Commons)

So sah Nagasaki nach dem Abwurf der Atombombe aus:

Nagasaki 2.png

(Foto: RWU Archives and Special Collections / Digital Commons)

Die Bilder stammen aus einem Bericht der US-Regierung aus dem Jahr 1946, aus dem die "Washington Post" aus Anlass des Jahrestages der Zerstörung von Nagasaki zitiert.

Drei Tage zuvor, am 6. August 1945, hatten die USA die erste Atombombe über dem japanischen Hiroshima abgeworfen. Die "Little Boy" genannte Bombe explodierte über dem Zentrum der Stadt und tötete auf der Stelle 80.000 Menschen. "Fat Man", die Bombe, die über Nagasaki abgeworfen wurde, tötete 40.000 Menschen. Mehr als 100.000 Menschen starben noch im selben Jahr an den Folgen der freigesetzten Radioaktivität, weitere in den Jahren danach.

Noch immer gibt es fast 200.000 Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Tausende von ihnen müssten auch in den kommenden Jahren wegen strahlenbedingter Gesundheitsschäden behandelt werden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz kürzlich mit.

Experten zweifeln am Sinn der Abwürfe

Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Amerikaner die Atombombenabwürfe bis heute für gerechtfertigt hält, weil so das Leben von vielen US-Soldaten habe gerettet werden können, die bei einer Invasion Japans getötet worden wären. Historiker wie Tsuyoshi Hasegawa von der University of California sagen allerdings, es sei nicht Hiroshima gewesen, sondern vielmehr die Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan am 8. August 1945, die Kaiser Hirohito und sein Militär am 15. August kapitulieren ließ.

Erst jetzt, am Morgen des 9. August, begann Japans Oberster Kriegsrat, die bedingungslose Kapitulation zu diskutieren. Am selben Tag warfen die Amerikaner die Atombombe auf Nagasaki. Zu diesem Zeitpunkt tagte der Kriegsrat bereits. "Der Eintritt der Sowjets in den Krieg spielte in der Tat eine größere Rolle als die Atombomben dabei, Japan zur Kapitulation zu veranlassen", schlussfolgert Hasegawa.

Nach Einschätzung von Historiker Samuel Walker entschieden die USA sich auch für den Abwurf, um der Sowjetunion ihre Stärke unter Beweis zu stellen. Hiroshima wurde angesichts der sowjetischen Kontrolle Osteuropas und des nahenden Kriegsendes eine wichtige Kampfansage an Moskau.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa

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