Politik

Für ärztliche BehandlungIran lässt schwerkranke Nobelpreisträgerin Mohammadi auf Kaution frei

11.05.2026, 16:42 Uhr
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"Sie kann jeden Moment sterben", sagt ihre Anwältin über Narges Mohammadi. (Foto: AP)

Narges Mohammadi kämpft gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran. Das Mullah-Regime hält die Nobelpreisträgerin seit Jahren gefangen. Zuletzt verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand rapide, ihre Angehörigen schlagen Alarm. Jetzt reagiert Teheran.

Iranische Behörden haben die inhaftierte Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi für eine medizinische Behandlung auf Kaution freigelassen. Die 54-Jährige wurde nach Angaben ihrer Unterstützer wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes nach Teheran gebracht. Nach einem zehntägigen Krankenhausaufenthalt in Sandschan im Norden des Iran, wo sie ihre Haftstrafe verbüßte, sei Mohammadi "gegen eine hohe Kaution eine Aussetzung der Strafe gewährt" worden, teilte ihre Stiftung mit.

Die Nobelpreisträgerin sei mit dem Krankenwagen in ein Krankenhaus in Teheran gebracht worden, wo sie "von ihrem eigenen Ärzteteam" behandelt werde, hieß es weiter. Die Höhe der Kaution wurde in der Erklärung nicht genannt. Mohammadi hatte nach Angaben ihrer Unterstützer am 1. Mai einen zweiten Herzinfarkt erlitten. Die Unterstützer der Menschenrechtsaktivistin hatten gewarnt, Mohammadi könne in Haft sterben. Am Donnerstag hatte das US-Außenministerium Teheran aufgefordert, Mohammadi "jetzt freizulassen und ihr die Behandlung zukommen zu lassen, die sie braucht".

Mohammadis in Paris lebender Ehemann Taghi Rahmani erklärte, sie schwebe in Lebensgefahr. "Zwar befindet sie sich derzeit nach einem Zusammenbruch im Krankenhaus, doch eine vorübergehende Verlegung reicht nicht aus." Mohammadi dürfe nie wieder in die Situation zurückkehren, "die ihre Gesundheit ruiniert hat", forderte er mit Blick auf das Gefängnis. Mohammadis Stiftung teilte mit, die Friedensnobelpreisträgerin brauche eine spezielle Behandlung und fügte hinzu: "Wir müssen sicherstellen, dass sie niemals wieder ins Gefängnis zurückkehrt, um die verbleibenden 18 Jahre ihrer Strafe abzusitzen."

Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran immer wieder vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Ihre beiden in Paris lebenden Kinder hat sie seit 2015 nicht mehr gesehen. 2023 wurde sie für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend ihre Kinder in Oslo entgegen.

"Zustand äußerst besorgniserregend"

Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im Teheraner Evin-Gefängnis entlassen. Im Dezember 2025 wurde sie in der ostiranischen Stadt Maschhad erneut festgenommen, weil sie bei einer Beerdigung Irans Führung kritisiert hatte.

Im Februar teilte Mohammadis Stiftung mit, ihr Gesundheitszustand sei "äußerst besorgniserregend". Die Aktivistin erlitt ihren Unterstützern zufolge seither zwei Herzinfarkte, einen am 24. März und einen am 1. Mai. Nach dem letzten Vorfall wurde sie ins Krankenhaus in Sandschan eingeliefert, blieb aber unter ständiger Bewachung. In der vergangenen Woche sagte ihre in Paris ansässige Anwältin Chirinne Ardakani, Mohammadi könne "jeden Moment sterben". Demnach sei sie "nicht wiederzuerkennen" und habe 20 Kilogramm Gewicht verloren.

Der Iran-Krieg belastet Mohammadis Zustand zusätzlich. Seit seinem Beginn Ende Februar gab es mindestens drei Luftangriffe auf Ziele unweit ihres Gefängnisses.

Quelle: ntv.de, nbr/AFP

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