Maskierte umstellen FahrzeugIsraelische Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland

Maskierte Männer umstellen ein Diplomatenfahrzeug im Westjordanland. Sie fordern Ausweise und schlagen eine Scheibe ein. Der Vorfall ist der zweite dieser Art innerhalb weniger Tage.
Eine Gruppe israelischer Siedler hat nach Angaben des israelischen Armeeradios Fahrzeuge europäischer Diplomaten im Westjordanland angegriffen. Wie der Militärkorrespondent Doron Kadosh auf X mitteilte, umstellten nach Angaben von Augenzeugen sieben maskierte Männer mit ihren Geländewagen ein Diplomatenfahrzeug, verlangten Ausweise und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt. Einem Bericht zufolge handelt es sich bei ihm um den Bürgermeister der nordfranzösischen Stadt Aulnoye-Aymeries, Bernard Baudoux. Das Leben des 78-Jährigen sei nicht in Gefahr, heißt es aus Diplomatenkreisen.
In einem eher seltenen Schritt verurteilte Israels Außenminister Gideon Saar den Angriff der Siedler, er bezeichnete die Täter als "Randalierer". Die europäischen Diplomaten waren den Angaben zufolge mit Fahrzeugen der französischen, belgischen und polnischen Mission nach Taybeh im Westjordanland gefahren, ein mehrheitlich christliches Dorf im Westjordanland. Maskierte Siedler hätten die Diplomaten zunächst beschimpft und dann Baudoux geschlagen. "Die Straflosigkeit gewalttätiger Siedler muss ein Ende haben", forderte der belgische Außenminister Maxime Prevot auf X. Er gab zugleich bekannt, dass der belgische Generalkonsul Teil der Delegation gewesen sei.
Bereits am Freitag erlitt die US-Fotografin Heidi Levine von der "Washington Post" bei einem Angriff von Siedlern nahe der Ortschaft Abu Falah im Westjordanland Verletzungen. Nach Angaben des Blattes griffen Dutzende maskierte israelische Siedler palästinensische Dorfbewohner an, die Oliven geerntet hätten. Sie hätten Olivenhaine in Brand gesetzt und Steine geworfen.
Levine trug nach Angaben der Zeitung eine Schutzweste, auf deren Vorder- und Rückseite deutlich "PRESS" zu lesen war. Sie sei zu Boden gestoßen und wiederholt getreten worden. Ihr seien die Kamera sowie das Handy weggenommen worden. Levine habe Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Eine Rippe und vier Wirbel seien gebrochen. Ein Finger sei so aufgerissen worden, dass der Knochen freigelegen habe.
In einer Erklärung von Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf X heißt es, die Umstände der Auseinandersetzung, bei der Levine angeblich angegriffen worden sei, seien unklar und würden untersucht. Berichten zufolge hätten etwa 200 Araber und linksextreme Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden. Aufnahmen zeigten maskierte Personen auf beiden Seiten, die mit Gegenständen warfen. Berichten zufolge wurden Feuerwerkskörper auf jüdische Jugendliche abgefeuert.
