Politik

Gefangener sexuell misshandeltIsraels Militär lässt Anklage gegen Reservisten trotz schwerer Vorwürfe fallen

12.03.2026, 19:35 Uhr
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Der Vorfall ereignete sich im Militärlager Sde Teiman. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Im Militärlager Sde Teiman in Israel werden palästinensische Häftlinge Berichten zufolge systematisch gefoltert. Ein auf Video aufgezeichneter Fall sorgt 2024 für Empörung, doch die Anklage gegen fünf Israelis wird nun nicht weiter verfolgt. Menschenrechtler sprechen von Vertuschung.

Israels Militärstaatsanwaltschaft hat die Anklage gegen fünf Reservisten fallen gelassen, die beschuldigt worden sind, einen palästinensischen Häftling in dem berüchtigten Militärlager Sde Teiman schwer misshandelt zu haben. Der Fall und ein in dem Kontext geleaktes Video sorgten in Israel über Monate für Schlagzeilen.

Den Reservisten wurde vorgeworfen, 2024 ein mutmaßliches Mitglied der islamistischen Terrororganisation Hamas in dem Militärlager so schwer sexuell misshandelt zu haben, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Sie hätten zuvor die Anweisung erhalten, den Häftling bei seiner Ankunft in dem Lager nahe der Wüstenstadt Beerscheva zu durchsuchen, teilte Israels Militär mit. Ihm seien dafür die Augen verbunden und Hände und Fußgelenke gefesselt worden.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz begrüßte die Entscheidung und schrieb auf X, dass Gerechtigkeit geübt worden sei. Die Anschuldigungen gegen die Reservisten bezeichnete er als "Blutverleumdung". Die Aufgabe des Rechtssystems der israelischen Streitkräfte sei es, "Soldaten zu verteidigen und zu schützen, die im Krieg tapfer gegen Monster kämpfen".

Menschenrechtler kritisierten den Schritt hingegen scharf. Aus Sicht des Public Committee against Torture in Israel habe der Zustand des Häftlings, in dem er ins Krankenhaus gebracht wurde, keinen Zweifel gelassen an den gegen ihn verübten Taten und ihrer Schwere, zitierte die "Times of Israel" die Organisation. Sie wirft den Behörden demnach Vertuschung vor.

Video aus Lager wurde geleakt

Besondere Brisanz gewann der Fall unter anderem auch, weil ein Überwachungsvideo aus dem Militärlager an einen TV-Sender unter Zustimmung der damaligen obersten Militäranwältin, Jifat Tomer-Jeruschalmi, geleakt wurde. Das Video soll die Misshandlung des Häftlings zeigen. Auf den Bildern der Überwachungskamera ist dies allerdings nicht eindeutig sichtbar, da die Soldaten teilweise eine Art Mauer aus Schildern bildeten.

In der Begründung für die Einstellung des Verfahrens wird unter anderem auch dieser Umstand genannt. "Die Aufnahmen der Überwachungskameras vermitteln kein klares und eindeutiges Bild der den Angeklagten vorgeworfenen Taten", zitierte das Nachrichtenportal "ynet" aus einem Schreiben.

Das Militärlager Sde Teiman wurde nach dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 eingerichtet, um Palästinenser festzuhalten, die während des Krieges Israels gegen die Hamas in Gaza festgenommen wurden. Mitarbeiter und aus der Haft entlassene Palästinenser berichteten von Misshandlungen und Folter in dem Lager.

Quelle: ntv.de, dsc/dpa

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