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Merz und Laschet werden aktiv Ist AKK bei der K-Frage schon erledigt?

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Es lief nicht gut für AKK in den vergangenen Wochen. Aber ist das schon ihr Ende?

(Foto: REUTERS)

Die CDU ist, im Vergleich zur SPD, eine überaus disziplinierte und pragmatische Partei. Das Spitzenpersonal wird generell unterstützt, dafür werden im Gegenzug Sitze und Posten erwartet. Aber kann diese Rechnung mit Annegret Kramp-Karrenbauer aufgehen?

Wer in diesen Tagen auf den Sommerfesten der Hauptstadt vorbeischaut, wird früher oder später mit der AKK-Frage konfrontiert. Kann Annegret Kramp-Karrenbauer Bundeskanzlerin werden? Die Frage schien bereits zu ihren Gunsten entschieden. Nach ihrem knappen Sieg auf dem Hamburger CDU-Parteitag verlief der Start ins neue Amt verheißungsvoll. Doch dann reihte sich Panne an Panne und die Europawahl übersetzte die miese Stimmung schließlich in ein zählbares Ergebnis. Seitdem ist sich kaum jemand mehr sicher, ob die Kanzlerfrage tatsächlich schon beantwortet ist.

Sehr sicher sind sich hingegen prominente Meinungsforscher. "AKK hat's versemmelt", heißt es. Ihr Image sei ruiniert, und für eine Reparatur desselben sei es zu spät. Sie habe mit Flugzeugträger-Diskussionen, Karnevals-Kalauern und Rezo-Patzern Zweifel daran geschürt, einen klaren politischen Kompass und ein Gefühl für die Stimmung in der Bevölkerung zu besitzen. Schlimmer noch: Sie habe die Partei nach rechts gerückt, und damit die Mitte kampflos den Grünen überlassen.

Merz ist wieder präsent

Tatsache ist, die Autorität der Parteichefin bröckelt. Ihre Ansagen, sich nach links wie rechts abzugrenzen, werden gerne ignoriert. Ulrich Thomas, stellvertretender CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, fabuliert von einer Koalition mit der AfD ("Das Soziale mit dem Nationalen versöhnen"). Daniel Günther, CDU-Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, gibt ein Interview zusammen mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von den Linken und fordert "ein Ende der Ausgrenzung" der Linkspartei. Schließlich kritisiert selbst die Bundeskanzlerin die neue Parteivorsitzende. Mit dem Rezo-Video hätte man "jetzt mal locker" und nicht so "abwehrend" umgehen müssen.

Besonders locker gibt sich derzeit Friedrich Merz. In Hamburg noch unterlegen und anschließend beleidigt abgetaucht, ist er nun wieder in Talkshows präsent. Die Große Koalition werde den Jahreswechsel nicht erleben, mutmaßt Merz, "dann reden wir über die Kanzlerfrage". Und "wenn Annegret Kramp-Karrenbauer mich anruft und fragt, denke ich darüber nach."

Auch Armin Laschet kommt ins Grübeln. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hält sich offenbar für kanzlertauglich und bringt sich selbst ins Spiel. AKK habe vorgeschlagen, die Kanzlerkandidatur auf dem CDU-Parteitag Ende 2020 zu entscheiden. "Ende 2020 ist nicht heute und nicht jetzt." Heute und jetzt hält sich Jens Spahn auffallend zurück. Der Gesundheitsminister, in Hamburg Dritter hinter AKK und Merz, kommuniziert möglicherweise besonders geschickt, indem er nichts kommuniziert.

Umfragen bestätigen ihren Abwärtstrend

Die mehr oder weniger offen geführte Personaldiskussion zeigt Wirkung. Von AKK, die mit ihrem Werkstattgespräch zur Migration noch den Takt vorgegeben hatte, kommt derzeit wenig. Ähnliche Dialoge etwa zum Klima, zur Wohnungsnot oder zur Zukunft Europas wären naheliegend, sind bislang aber offensichtlich nicht geplant. Ohne Ministerposten und Mandat ausgestattet, müsste sie jedoch inhaltlich wieder in die Offensive kommen, statt sich zermürbt im Adenauerhaus zu verschanzen. Dort herrscht ohnehin Untergangsstimmung. Sowohl Generalsekretär Paul Ziemiak als auch der AKK-Vertraute Nico Lange kämpfen selbst ums politische Überleben. Ziemiak sucht noch nach seiner Rolle, Lange hat es sich mit der Jungen Union in Rekordzeit verscherzt, nachdem er dieser einen Teil der Verantwortung für das Debakel bei der Europawahl zuschob.

Umfragen bestätigen den Abwärtstrend. Gegen den Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck wäre AKK derzeit ohne jede Chance. Selbst Armin Laschet steht nach einer Prognose der "Bild am Sonntag" besser da. Die meisten Sympathiepunkte im Vergleich zu den CDU-Mitbewerbern hat jedoch der heimliche Liebling der Partei: Friedrich Merz.

Dennoch wäre es zu früh, AKK abzuschreiben. Die Frau aus dem Saarland sollte von ihren Gegenspielern nicht unterschätzt werden. Viel hängt vom Timing und vom Verfahren ab, wie der Kandidat bestimmt wird. Selbst die amtierende Bundeskanzlerin hatte es ihrerzeit nicht auf Anhieb geschafft. 2002 überließ sie dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur. Der verlor, wenn auch knapp, gegen Gerhard Schröder. Damit war der Weg frei für Angela Merkel.

Quelle: n-tv.de

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