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Spuren führen in die Niederlande Ist Amri mit Flixbus nach Lyon gefahren?

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Eine Überwachungskamera filmte Amri in Lyon.

(Foto: REUTERS)

Fieberhaft versuchen die Ermittler in Europa, die Fluchtroute des Berlin-Attentäters Amri nachzuzeichnen. Neuste Spuren deuten darauf hin, dass der Tunesier dabei auch in den Niederlanden war - und sich unbehelligt bewegen konnte.

Bei der Rekonstruktion der Flucht von Anis Amri haben Ermittler offenbar weitere Puzzleteile ins Gesamtbild eingefügt. Demnach fuhr der mutmaßliche Attentäter von Berlin mit dem Bus von Amsterdam nach Lyon, wie der französische Fernsender TF1 berichtet. Die Fahrt habe 15 Stunden gedauert. Amri soll mit einem Flixbus gefahren sein. Kontrolliert hat den 24-Jährigen in dieser Zeit offenbar niemand. Der Tunesier reiste demnach unbehelligt mit einer Pistole in seinem Rucksack. Der "Guardian" hatte vor einigen Tagen geschrieben, dass der 24-Jährige zwar einen gültigen Reisepass benötigt habe. Die Busfahrer seien aber nicht unbedingt in der Lage seien, eine Fälschung zu erkennen.

Zudem führt eine weitere Spur in die Niederlande. So berichtet die italienische die Zeitung "La Repubblica", dasss Ermittler in Amris Rucksack eine Sim-Karte aus den Niederlanden gefunden haben. Diese stammten aus einem Bestand an Sim-Karten, die zwischen dem 20. bis 22. Dezember in Zwolle, Breda und Nimwegen in Kaufhäusern verteilt wurden. Ob dies bedeutet, dass Amri auf seiner Flucht über Frankreich nach Italien auch Halt in den Niederlanden gemacht hat oder auf andere Weise an die Karte gekommen ist, ist nach dpa-Informationen aber noch unklar. Von der Bundesanwaltschaft gab es auf Anfrage keine Stellungnahme dazu.

In Lyon gefilmt

Vor zwei Tagen hatte es bereits unter Berufung auf Insider geheißen, dass Amri in Lyon auf einem Überwachungsvideo erkannt worden sei. Er wurde demnach vier Tage nach dem Anschlag auf dem Bahnhof in der Stadt gefilmt, hieß es aus Justizkreisen. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Tunesier dort die Zug-Fahrkarte nach Chambery gekauft habe, das zwischen Lyon und der italienischen Grenze liegt.

Am Vortag hatte die italienische Polizei bestätigt, dass er den dortigen Bahnhof passiert habe. Dabei war Amri um 00.58 Uhr gefilmt worden. Auf dem entsprechenden Bild ist er von hinten zu erkennen und trägt einen Rucksack. Weiter vor ihm laufen vier Reisende mit Koffern.

Wenige Stunden nachdem Amri in Mailand war, wurde er von Polizisten in Sesto San Giovanni nördlich der Stadt kontrolliert. Statt Ausweispapiere vorzulegen, schoss er auf die Polizisten. Diese feuerten zurück und töteten den Terrorverdächtigen. Laut dpa befindet sich der Leichnam weiterhin in der Gerichtsmedizin in Mailand, da die Obduktion noch nicht abgeschlossen ist.

Amri wird dafür verantwortlich gemacht, am 19. Dezember mit einem gekaperten Lkw in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast zu sein. Bei dem Anschlag kamen zwölf Menschen ums Leben, knapp 50 wurden zum Teil schwer verletzt.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/rts

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