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Lösung für Flüchtlinge in Sicht Italien ermittelt gegen deutsche Kapitänin

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Die italienische Justiz ermittelt gegen die Kapitänin Rackete.

(Foto: REUTERS)

Nach Tagen auf See zeichnet sich eine Lösung für die Flüchtlinge auf der "Sea-Watch 3" ab. Mehrere Länder wollen die Menschen aufnehmen. Italien ermittelt derweil gegen die Kapitänin wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

Die italienische Staatsanwaltschaft hat gegen die deutsche Kapitänin der Hilfsorganisation Sea-Watch Ermittlungen eingeleitet. Carola Rackete würden von der Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen, sagte die Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi.

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Mit Ermittlungen war gerechnet worden. Rackete war Mitte der Woche mit der "Sea-Watch 3" mit mehr als 40 Migranten an Bord trotz Verbots der Regierung in Rom in italienische Gewässer gefahren. Auf Anweisung der Polizei musste das Schiff aber rund eine Seemeile vor dem Hafen der Insel Lampedusa stoppen. Das Schiff liegt derzeit immer noch dort. Eine Lösung zeichnet sich allerdings ab. Fünf Länder - Deutschland, Portugal, Frankreich, Finnland und Luxemburg - hätten sich bereit erklärt, Migranten von dem Schiff zu übernehmen, so Linardi. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, er sei "sehr zuversichtlich", dass es am Wochenende eine Lösung geben werde.

Rackete sagte, die Lage an Bord sei sehr angespannt. "Die Sorge vor Selbstverletzungen ist sehr, sehr groß", sagte sie. Zwei Männer wurden als medizinische Notfälle eingestuft und konnten das Schiff bereits in der Nacht zu Freitag verlassen. Es handelt sich laut Sea-Watch um einen 19-jährigen Flüchtling, der an starken Schmerzen gelitten habe, sowie dessen jüngeren Bruder. "Wir können nicht darauf warten, dass jeder einzelne Mensch ein medizinischer Notfall wird, bis Europa erkennt, dass sie grundlegende Rechte haben", erklärte Rackete. Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. Elf von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, durften bereits von Bord gehen.

Berlin fordert europäische Lösung

Kapitänin Rackete wurde in der Nähe von Kiel geboren und hat in Niedersachsen gelebt. Eine offizielle Bestätigung zu Ermittlungen sei ihr noch nicht überstellt worden, sagte die 31-Jährige. Es sei ihnen aber gesagt worden, dass eine Lösung für die Migranten bevorstehe. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hatte angekündigt, dass drei bis vier Länder bereit zur Aufnahme seien. Zugleich erfuhr die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch eine breite Welle der Solidarität. Allein ein italienischer Aktivist sammelte über Facebook 240.000 Euro für eventuell entstehende Gerichtskosten.

Deutschland hatte seine Bereitschaft zur Aufnahme von Migranten schon am Donnerstag erklärt. Die Bundesregierung bekräftigte zudem ihre Forderung, für die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer eine europäische Lösung zu erarbeiten. Es gelte, einen Mechanismus zu finden, um nicht immer wieder ad hoc entscheiden zu müssen, wo gerettete Flüchtlinge untergebracht werden könnten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini verlangte nun konkrete "Garantien" der aufnahmebereiten Länder, bevor die Menschen von Bord des Schiffes gehen dürften. Daneben sei die Regierung "entschlossen", gegen jeden vorzugehen, der die Gesetze gebrochen habe. Ermittlungen gegen Kapitäne ziviler Rettungsschiffe sind schon mehrmals aufgenommen worden.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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