Politik

Umgang mit Christchurch-Attentat Jacinda Ardern punktet mit Stärke

Eines will Neuseelands Premierministerin nicht zulassen: dem Attentäter von Christchurch eine Plattform für seine rechtsextremistischen Ansichten bieten. Stattdessen setzt Jacinda Ardern auf "Mitgefühl und Liebe". Ihr Umgang mit der Tat stößt weltweit auf Anerkennung.

Mit einer Mischung aus Mitgefühl und Stärke hat Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern auf die Anschläge in Christchurch reagiert - und damit auch außerhalb ihres Landes viele Menschen bewegt. In den Krisentagen nach den Moschee-Attentaten gelang es der 38-Jährigen, den richtigen Ton zu treffen. Der rechtsextremistische Attentäter mag mit seiner Bluttat ein Zeichen des Hasses gesetzt haben, Ardern konterte mit einer Botschaft der Toleranz und des Respekts.

Ardern bewies ein Gespür für dezente, aber wirkungsvolle Symbole: Bei Treffen mit muslimischen Hinterbliebenen der Anschlagsopfer trug sie demonstrativ ein Kopftuch. Eine Parlamentssitzung am heutigen Dienstag eröffnete sie mit der arabischen Friedensbotschaft "As-Salaam Alaikum".

Eines will Ardern nicht zulassen: Dass der Attentäter nach dem Anschlag ein öffentliches Forum für seine Hassideologie erhält. Niemals werde sie seinen Namen in den Mund nehmen, sagte Ardern im Parlament. "Ich bitte Sie: Nennen Sie die Namen derer, die ihr Leben verloren, statt des Namens des Mannes, der sie auslöschte."

Politische Beobachter in Neuseeland reagieren mit Anerkennung auf Arderns Krisenmanagement. Die Premierministerin verbreite eine glaubwürdige Botschaft, "die starken Widerhall bei den Neuseeländern findet", sagt die Politologin Vicki Spencer von der University of Otago.

"Nahezu perfekt"

Arderns Reaktion auf die Tragödie sei "nahezu perfekt", sagt der Kommentator David Farrar von der Internetseite Kiwiblog. Einfühlungsvermögen sei schon immer eine ihrer Stärken gewesen, mit ihrem Auftritt mit muslimischem Kopftuch habe Ardern nun ein "ikonisches Bild" geschaffen. Über Neuseeland hinaus war die 38-jährige Labour-Politikerin bislang vor allem dafür bekannt, dass sie im Amt ein Kind bekam - erst als zweite Regierungschefin überhaupt nach Pakistans Premierministerin Benazir Bhutto.

Sechs Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Neve im Juni 2018 ging Ardern wieder zur Arbeit. Seitdem kümmert sich vor allem ihr Partner Clarke Gayford, der Moderator einer Angelsendung im neuseeländischen Fernsehen ist, um die KIeine. Als Ardern ihr drei Monate altes Baby im September zur UN-Vollversammlung in New York mitbrachte, wurde sie von Frauen weltweit als Vorbild gefeiert. Kurz vor ihrem Wahlsieg im September 2017 hatte die damalige Oppositionsführerin noch empört reagiert, als sie in einer Talkshow gefragt wurde, ob sie plane, Kinder zu bekommen. "Es ist absolut nicht zu akzeptieren, dass Frauen im Jahr 2017 diese Frage an ihrem Arbeitsplatz beantworten müssen", sagte die studierte Kommunikationswissenschaftlerin.

"Mitgefühl und Liebe vermitteln"

Ardern regiert in einer Koalition mit der populistischen Partei New Zealand First und den Grünen. Die von den neuseeländischen Medien ausgerufene "Jacinda-Mania" hatte sich zuletzt aber etwas abgekühlt, weil viele ihrer Pläne von New Zealand First und deren Parteichef Winston Peters ausgebremst wurden.

Nach den Anschlägen nutzte Ardern die Gunst der Stunde, um ihren störrischen Koalitionspartner zu schärferen Waffengesetzen zu bewegen. Peters, der Waffenreformen bisher abgelehnt hatte, blieb nichts anderes übrig, als an Arderns Seite einzuräumen, "dass sich unsere Welt am Freitag kurz nach 13 Uhr für immer verändert hat, und daher werden sich auch unsere Gesetze ändern".

Ardern nutzte auch ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump, um nach den Anschlägen ein Zeichen gegen Islamfeindlichkeit und für Toleranz zu setzen. "Er hat mich gefragt, was er tun kann", berichtete Ardern, die wegen ihres Einsatzes für Klimaschutz und Gleichberechtigung schon zuvor die "Anti-Trump" genannt wurde, bei einer Pressekonferenz. Als Antwort habe sie versucht, ihm die Stimmung in Neuseeland zu vermitteln: "Meine Botschaft war Mitgefühl und Liebe für alle muslimischen Gemeinschaften."

Quelle: n-tv.de, Andrew Beatty, AFP

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