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In der Karibik untergetaucht? Juan Carlos hat Spanien heimlich verlassen

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Adios, españa.

(Foto: imago images/CordonPress)

Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos hat sein Land offenbar schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen. Der Vater von König Felipe VI. sei bereits am Wochenende ausgereist, heißt es in Medienberichten.

Der frühere spanische König Juan Carlos hat sich inmitten von Korruptionsermittlungen offenbar in die Dominikanische Republik zurückgezogen. Der 82-Jährige sei am Montagmorgen mit dem Auto nach Portugal gefahren und von dort in die Dominikanische Republik geflogen, berichtete die Zeitung "La Vanguardia". Dort wolle er einige Wochen bei einer Familie bleiben, die ihr Vermögen mit Zuckerrohr-Plantagen gemacht habe. Danach wolle er sich nach einem anderen Ziel umschauen. Andere spanische Medien, unter anderem der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTVE, berichten, dass der Ex-Monarch bereits am Wochenende heimlich ausgereist sei.

Am Montagabend hatte das Königshaus in Madrid einen Brief von Juan Carlos veröffentlicht, in dem der Bourbone seinem Sohn und Nachfolger Felipe seine Absicht mitteilt, wegen der Affäre ins Ausland ziehen zu wollen. Damit gibt der emeritierte König erstmals nach 58 Jahren seine Residenz im königlichen Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid auf. Gattin Sofía wird laut Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige hatte vor einigen Tagen ihren Urlaub auf Mallorca begonnen.

"Angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen", wolle er mit seiner Entscheidung die Arbeit seines 52-jährigen Sohnes als Staatschef erleichtern, schrieb Juan Carlos in deutlicher Anspielung auf die vom Obersten Gericht Anfang Juni gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen. In dem Skandal geht es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium. Juan Carlos soll 2008 von den Saudis 100 Millionen US-Dollar kassiert haben. Damals genoss er als Monarch noch Immunität. In Zusammenhang mit dieser Zahlung wird der Ex-König aber der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung nach seiner Abdankung 2014 verdächtigt.

Juan Carlos hatte nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975 eine wichtige Rolle bei der Demokratisierung Spaniens gespielt und sich damit große Sympathien in der Bevölkerung erworben.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/rts