Politik

"Liebenswertes Gesamtkunstwerk" Juncker spricht über Merkels EU-Zukunft

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Ein regelrechter Fan der Kanzlerin: Jean-Claude Juncker und Angela Merkel.

(Foto: imago/Sammy Minkoff)

Für Noch-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wäre Kanzlerin Angela Merkel die ideale EU-Politikerin. Gleichzeitig erzählt er im Interview, warum die Gerüchte über seinen Alkoholkonsum falsch sind und was die Geschichtsbücher über ihn sagen könnten.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hält es für denkbar, dass Angela Merkel nach ihrer Zeit als Kanzlerin eine Rolle auf europäischer Ebene übernimmt. "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass Angela Merkel in der Versenkung verschwindet", sagte Juncker der Funke Mediengruppe. "Sie ist nicht nur eine Respektsperson, sondern ein liebenswertes Gesamtkunstwerk."

Mit Blick auf ein mögliches EU-Amt fügte er hinzu: "Hochqualifiziert wäre sie." Allerdings solle man nicht so tun, als würde sie das Kanzleramt schon morgen verlassen. "Die Wahlperiode endet 2021. Bis dahin wird Angela Merkel noch einiges in Bewegung bringen." Über einen Wechsel Merkels nach Brüssel wird immer wieder spekuliert. Allerdings hat die Kanzlerin gesagt, sie strebe keine anderen politischen Ämter mehr an.

Nach der Europawahl Ende Mai wird Junckers Posten an der Spitze der EU-Kommission neu besetzt, ebenso wie das Amt von Ratschef Donald Tusk. Juncker pochte darauf, dass der Sieger der Europawahl auch den Kommissionspräsidenten stellt. "Ich bin ein großer Anhänger dieses Spitzenkandidaten-Modells. Die stärkste Partei sollte jedenfalls das Vorschlagsrecht haben. Demokratisch sauber wäre es, wenn der Sieger der Europawahl auch Kommissionspräsident würde" sagte er. "Eine Ursache der politischen Glaubwürdigkeitskrise ist ja genau die, dass man nach der Wahl nicht tut, was man vor der Wahl in Aussicht gestellt hat."

"Er hat sich redlich bemüht"

Zugleich wies Juncker Spekulationen über seinen Gesundheitszustand zurück. "Ich habe immer noch Ischias. Deshalb habe ich einige Bewegungsprobleme, was die britische Presse oft groß aufhängt und anderen Gründen zuschreiben will", sagte er mit Blick auf Berichte über seinen angeblichen Alkoholkonsum. "Oft gehe ich auch schräg, weil ich mal einen Autounfall hatte. Aber ich beklage mich nicht. Mir ist in meinem Leben fast alles gelungen. Es geht mir gut."

Der luxemburgische Christdemokrat hatte sich gegen eine zweite Amtszeit entschieden. Sein Mandat endet am 31. Oktober. Auf die Frage, was er über sich in den Geschichtsbüchern lesen wolle, antwortete er: "Er hat sich redlich bemüht." Und er fügte hinzu: "Schön wäre vielleicht noch der Zusatz: Er hat einige Dinge in Ordnung gebracht." Zu seinen Plänen sagte er, er werde sich "schriftlich äußern - zu dem, was war, und zu dem, was aktuell passiert".

Quelle: n-tv.de, lou/dpa

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