Politik

Das Auge wählt mit Junge bevorzugen schlanke Kandidaten

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Christian Lindner macht mit seinem Look Wahlkampf - und könnte damit vor allem bei den Jungwählern punkten.

(Foto: FDP)

Wer Jungwähler erreichen will, muss ihnen laut einer neuen Studie heutzutage mehr bieten als den richtigen Wahlslogan und genügend Erfahrung: Fitte und attraktive Spitzenkandidaten haben demnach bessere Chancen, gewählt zu werden. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Für viele Jungwähler ist laut Forschern die körperliche Attraktivität von Politikern ein entscheidendes Kriterium. "Jungwähler bewerten Politik anhand ästhetischer Kategorien. Sie sind sehr stark Augenmenschen und wollen Erkenntnisse durch bildliche Wahrnehmung gewinnen", sagt der österreichische Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier. Bei einer repräsentativen Umfrage seines Meinungsforschungsinstituts "tfactory" im Vorfeld der Wahlen in Österreich habe sich die Macht der Optik bestätigt.

"Die starke Verkörperlichung des Politischen hat einen neuen Idealtypus hervorgebracht: den Slimfit-Warrior." In Österreich verkörperten die sichtbar fitten Spitzenkandidaten Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) diesen Typus. "Kurz und Kern symbolisieren den schlanken, neuen, liberalen, beweglichen, hochgradig individualisierten Kapitalismus", so Heinzlmaier. Bei politischen Inhalten müssten die meisten Befragten passen, aber ob jemand modern und modisch sei, wüssten sie ganz genau, so der Forscher. "Sie beurteilen immer das, was oberflächlich wahrnehmbar ist."

Der 30-jährige Kurz hat laut Umfrage die Nase bei den Jungwählern vorn. Sein Vorsprung vor dem 51-jährigen Kanzler sei in den Kategorien "Jugendlichkeit", "Modernität", "Durchsetzungsfähigkeit" deutlich. Dabei komme dem neuen ÖVP-Chef zugute, dass er alte Strukturen der Partei abgeschafft und sie als von ihm dominierte "Bewegung" neu aufgesetzt habe. "Man muss in den Konflikt mit den Modernisierungsverhinderern in der eigenen Partei treten", so Heinzlmaier. Genau das verschaffe die Glaubwürdigkeit, verändern zu können.

Merkel muss nicht schön sein

Insofern sei in Deutschland die einmütige Wahl von Martin Schulz zum SPD-Chef im März äußerst kritisch zu sehen. "Wenn man wie Martin Schulz 100 Prozent bekommt, ist das im Prinzip schon der Untergang." Kanzlerin Angela Merkel habe eine Sonderrolle. Merkel habe als "Mutter der Nation" nichts zu fürchten, so Heinzlmaier. "Mütter müssen nicht schön sein, damit sie geliebt werden." Zehn Wochen vor der Wahl in Österreich sind die Erkenntnisse der Studie für den Spitzenkandidaten der FPÖ, Heinz-Christian Strache, nicht schmeichelhaft.

Der 48-Jährige werde eher als weniger attraktiv wahrgenommen, meint Heinzlmaier. "Strache hat abgebaut. Er wirkt leicht übergewichtig, blass und nicht vital. Er strahlt keine Dynamik mehr aus." Ganz im Gegensatz zu Kurz. Der konservative Politiker treffe auch mit seinen Slogans zum Beispiel über die "Schließung der Mittelmeerroute" einen Nerv bei den jungen Menschen. "Kurz ist ein Meister der Dekomplizierung", sagt Heinzlmaier.

Dass Jungwähler gerne bestimmte Typen und nicht Programme und Parteien wählten, zeige sich auch an einer weiteren Einstellung. 50 Prozent der Befragten bevorzugen laut Forscher eine Expertenregierung. Der klassische Politiker strahle nicht die sozial-kulturelle Empathie aus, um von jungen Menschen emotional angenommen zu werden.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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