Politik

Ringen um westliche Geiseln Kabul prüft Gefangenentausch mit Taliban

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Afghanistans Präsident Aschraf Ghani ist bereit, zu verhandeln.

(Foto: REUTERS)

Die afghanische Regierung könnte mehrere bedeutende Taliban-Vertreter aus dem Gefängnis entlassen. Im Gegenzug sollen zwei Professoren aus Australien und den USA nach drei Jahren Geiselhaft freikommen. Der Deal könnte eine neue Stufe der Friedensgespräche einleiten.

Die afghanische Regierung ist zu einem Gefangenenaustausch mit den radikalislamischen Taliban bereit. Präsident Aschraf Ghani kündigte in Kabul die Entlassung dreier hochrangiger Taliban-Vertreter aus afghanischer Haft an. Sie würden "unter Bedingungen" aus dem Bagram-Gefängnis entlassen, sagte er mit Blick auf Verhandlungen um die Freilassung zweier von den Taliban entführter Ausländer.

Unter den drei Taliban-Vertretern befindet sich auch Anas Hakkani, dessen älterer Bruder der stellvertretende Chef der radikalislamischen Miliz und Leiter des Hakkani-Netzwerks ist. Anas Hakkani war Angaben des afghanischen Geheimdienstes NDS zufolge im Oktober 2014 in der östlichen Provinz Chost festgenommen worden. Davor soll er sich vor allem um die Finanzierung der Aktivitäten des Hakkani-Netzwerks gekümmert und Gelder aus den Golfstaaten besorgt haben.

Zum Schicksal der beiden vor mehr als drei Jahren von den Taliban entführten Professoren aus Australien und den USA äußerte sich Ghani nicht. Die Gesundheit der beiden habe sich während ihrer Gefangenschaft "bei den Terroristen" jedoch verschlechtert, sagte der afghanische Präsident.

Eine Freilassung des US-Wissenschaftlers Kevin King und des australischen Professors Timothy Weeks würde den Weg für die Aufnahme informeller direkter Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban bereiten, fügte Ghani hinzu. Bislang haben die Taliban direkte Gespräche mit Ghanis Regierung stets ausgeschlossen.

Professoren wirken körperlich stark mitgenommen

King und Weeks lehrten beide an der American University of Afghanistan in Kabul. Im August 2016 wurden sie im Zentrum der afghanischen Hauptstadt von bewaffneten Männern in Militäruniform entführt. Später veröffentlichten die Taliban ein Video mit den beiden Professoren, die darin körperlich stark mitgenommen wirkten. Die Taliban erklärten, Kings gesundheitlicher Zustand sei schlecht.

Die American University of Afghanistan wurde 2006 in Kabul eröffnet. Zahlreiche Dozenten aus westlichen Ländern unterrichten an der Elite-Hochschule. Weder die Universität noch die Botschaften der USA und Australiens wollten die angekündigte Freilassung der drei Taliban-Vertreter kommentieren.

Beobachter sehen die Freilassungen als Teil der Bemühungen, die im September abgebrochenen Gespräche über Frieden zwischen den USA und den Taliban wieder zu starten. US-Präsident Donald Trump hatte damals kurz vor einer als möglich in Aussicht gestellten Einigung die Gespräche nach einem Anschlag in Kabul, bei dem ein US-Soldat starb, für "tot" erklärt. Ende Oktober war der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, erneut für mehrtägige Sondierungen in Afghanistan und Pakistan.

Quelle: ntv.de, jru/AFP/dpa