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Mehrheit gegen Behörden-Kreuze Kardinal Marx wirft Söder Spaltung vor

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Dem Staat steht es nicht zu, die Bedeutung des Kreuzes zu erklären, sagte Kardinal Reinhard Marx.

(Foto: dpa)

In die Debatte um Söders Kruzifix-Offensive schaltet sich nun der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Marx, ein - und wirft Söder vor, "Spaltung, Unruhe und Gegeneinander" zu erzeugen. Eine Umfrage zeigt derweil, was die Deutschen von dem Vorstoß halten.

Der Kruzifix-Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder stößt unvermindert auf Kritik. Durch die angeordnete Aufhängung von Kreuzen in Landesbehörden und Söders Erklärung seien "Spaltung, Unruhe und Gegeneinander" entstanden, kritisierte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx. Wer das Kreuz nur als kulturelles Symbol sehe - wie es Söder zunächst getan hatte -, habe es nicht verstanden. Zudem stehe es dem Staat nicht zu, die Bedeutung des Kreuzes zu erklären, sagte der Erzbischof von München und Freising der "Süddeutschen Zeitung".

Das Kreuz sei "ein Zeichen des Widerspruchs gegen Gewalt, Ungerechtigkeit, Sünde und Tod, aber kein Zeichen gegen andere Menschen". Die gesellschaftliche Debatte über das Kreuz hält Marx für wichtig, er fordert aber, dass darin alle einbezogen werden müssen: Christen, Muslime, Juden und jene, die gar nicht gläubig sind. Unter die Kritiker von Söders Vorstoß reihten sich am Wochenende auch FDP-Chef Christian Lindner, die Grünen-Politikerin Claudia Roth und der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ein.

Auch die Mehrheit der Deutschen sieht die Kruzifix-Debatte skeptisch: In einer Umfrage sprachen sich mit 64 Prozent fast zwei Drittel der Bürger dagegen aus, dass in jeder staatlichen Behörde in Deutschland ein christliches Kreuz aufgehängt wird. Dies hatte das Kabinett von Ministerpräsident Söder vergangenen Dienstag für die Landesbehörden des Freistaates beschlossen. Auch unter Katholiken und Protestanten ist die Ablehnung groß, wie die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "Bild am Sonntag" ergab. Bei Katholiken sind es 48 Prozent, bei Protestanten sogar 62 Prozent. Befragte anderer Konfessionen und Konfessionslose lehnen Kreuze in staatlichen Behörden mit großer Mehrheit ab - 87 Prozent der Befragten waren dagegen, nur 12 Prozent stimmten zu.

Die Grünen-Politikerin Roth warf dem bayerischen Ministerpräsidenten vor, er missbrauche das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermische bewusst Religion und Politik. "Das finde ich in hohem Maße unchristlich, unanständig sowieso", sagte die Bundestagsvizepräsidentin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Herr Söder macht einen riesengroßen Fehler, wenn er glaubt, dass die Rückgewinnung der absoluten Mehrheit jedes Mittel heiligt."

"Kreuz ist kein Wahlkampflogo"

FDP-Chef Lindner kritisierte, Söder habe das Kreuz "profanisiert und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt". Der "Passauer Neuen Presse" sagte er: "Gläubige Christen muss es empören, dass er aus ihrem Symbol ein Symbol des Staates macht." Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte im Inforadio des rbb, er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle. Dies rechtfertige aber nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken. "Der Staat des Grundgesetzes ist weltanschaulich religiös neutral, das heißt er ist offen für alle Bekenntnisse", sagte der SPD-Politiker, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist.

In der "Bild"-Zeitung attackierte auch der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof den Beschluss des bayerischen Kabinetts. Es mache ihn fassungslos, dass Söder mehrere Tage gebraucht habe um einzuräumen, dass das Kreuz ein religiöses Symbol sei, schrieb Bischof in der Zeitung. "Das Kreuz ist aber kein Symbol für Bayern und erst recht kein Wahlkampflogo."

Die AfD warf Kardinal Marx hingegen vor, das Christentum nicht offensiv genug zu vertreten: "Warum die Islamisierung Raum hat? Weil das Christentum kapituliert und das Feld räumt", twitterte die Vizechefin der Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch. "An der Spitze: Kardinal Marx. Auf dem Tempelberg legt er das Kreuz ab. Und auch in öffentlichen Gebäuden will er es nicht. #DerFischStinktVomKopf #UndZwarGewaltig".

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/AFP

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