Politik

Millionen Muslime nicht ausgrenzen Kauder: Islam gehört nicht zu Deutschland

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Kauder: Natürlich dürfen auch hierzulande Moscheen mit Minaretten gebaut werden.

(Foto: dpa)

Mit ihrem Anti-Islam-Programm befeuert die AfD die alte Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Unionsfraktionschef Kauder hat dazu eine klare Meinung, er differenziert aber: Islam nein, muslimische Mitbürger ja. Auch das Volk äußert sich.

Die rund vier Millionen Muslime hierzulande gehören nach Ansicht von Unions-Fraktionschef Volker Kauder "ganz klar" zu Deutschland - der Islam aber nicht. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der CDU-Politiker, Muslime dürften nicht ausgegrenzt werden, "so wie dies im Augenblick die Rechtspopulisten betreiben". Sie genössen wie die Angehörigen anderer Glaubensrichtungen Religionsfreiheit. "Natürlich dürfen daher Moscheen mit Minaretten gebaut werden."

"Wir sollten den Islam bei uns einbürgern", erklärte indes die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Gerade so könne Radikalisierung vorgebeugt werden - und nicht durch Ausgrenzung. "Vielen Menschen, die zu uns kommen, ist ihre Religion sehr wichtig. Wir dürfen sie nicht irgendwelchen Hasspredigern oder Salafisten überlassen, die einen radikalen Islam propagieren." Islam einbürgern heißt laut Göring-Eckardt auch: "Wo es den Bedarf gibt, sollten wir an Schulen muslimischen Religionsunterricht anbieten und verstärkt Imame an unseren Universitäten ausbilden." Dann entsprächen die Lerninhalte "unseren demokratischen Regeln". "In unserer Gesellschaft muss jeder seine friedvolle religiöse Identität finden können."

Kauder hatte sich in seiner Äußerung auf das am vergangenen Wochenende beschlossene Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland bezogen, in dem sich Sätze finden wie "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" und "Deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus". Das Tragen von Kopftüchern an Schulen, die Vollverschleierung und das Schächten von Tieren werden darin abgelehnt.

Kauder nannte die Feststellung des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, wonach der Islam zu Deutschland gehört, "gut gemeint", aber unpräzise. Erstens habe der Islam Deutschland "historisch und kulturell nicht geprägt". Zweitens sei er sehr vielfältig. Es gebe mehrere Glaubensrichtungen mit jeweils unterschiedlichen Rechtsschulen. "Den einen Islam - und das legt der Satz nahe - gibt es sicher nicht." Zudem habe der Islam auch Ausprägungen, "die wir in Deutschland nie akzeptieren können", sagte er. "Die Religion steht bei uns nie über dem Staat."

Bevölkerung in dieser Frage gespalten

Dass der Islam nicht zu Deutschland gehört, meint auch die Mehrheit der Deutschen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes INSA im Auftrag der "Bild"-Zeitung denken rund 60 Prozent der Befragten so. Nur 22 Prozent waren der Meinung, dass der Islam ein Teil der deutschen Gesellschaft sei.

Die Angst vor der Islamisierung in Deutschland scheint allerdings weit verbreitet. Nahezu die Hälfte aller Befragten, nämlich 46 Prozent sorgt sich deswegen, berichtet "Bild". Menschen mit Migrationshintergrund fürchten sich erwartungsgemäß weniger vor der Islamisierung – hier beträgt der Anteil nur 36 Prozent.

Dieses Bild zeigt sich auch im Ost-West-Vergleich. Im Osten Deutschlands, wo weniger Ausländer leben, äußerten sich die Befragten deutlich kritischer zum Islam als ihre Mitbürger im Westen. Der Aussage "Der Islam gehört zu Deutschland" stimmten beispielsweise nur 17 Prozent der Befragten im Osten zu. Im Westen waren es 23 Prozent.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge leben momentan in Deutschland rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon ist ungefähr ein Viertel muslimischen Glaubens. In Ostdeutschland liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung bei lediglich 4,8 Prozent, im Westen sind es 23,1 Prozent.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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