Politik

"Chance auf Neuanfang" Keiner aus SPD-Trio wird Nahles-Nachfolger

Auf Andrea Nahles folgt ein Führungstrio an der Spitze der SPD. Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel sollen vorübergehend die Geschicke der Partei leiten - doch keiner von ihnen wird die Nahles-Nachfolge antreten.

Nach dem Rückzug von Andrea Nahles steht ein Trio vorübergehend an der Spitze der SPD. Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel werden kommissarisch die Führung übernehmen. Für den Parteivorsitz stehen sie jedoch nicht zur Verfügung. "Alle drei werden nicht für den Parteivorsitz kandidieren", sagte Dreyer auf einer Pressekonferenz in Berlin.

1076a257c52f832d4131b9d1d2dbf696.jpg

Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und Malu Dreyer (v.l.)

(Foto: dpa)

Vielmehr soll das Trio den Übergangsprozess nach dem Rücktritt von Parteichefin Nahles gestalten. Der Nahles-Rücktritt sei "eine Chance auf Neuanfang", betonte Gümbel. Diese Chance solle nun zügig und besonnen genutzt werden.

Ihren Verzicht auf eigene Bewerbungen um den Parteivorsitz begründeten Schwesig und Dreyer mit ihrer jeweiligen Verantwortung als Ministerpräsidentinnen. "Mein Platz ist in Mecklenburg-Vorpommern", sagte Schwesig. Ähnlich äußerte sich auch Dreyer. Sie sagte, für sie sei schon lange klar, "dass ich als Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz wieder antreten möchte". Schäfer-Gümbel will an seinem Vorhaben festhalten, aus der Politik auszusteigen und im Oktober Arbeitsdirektor der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu werden.

Ein entscheidendes Datum dafür solle der 24. Juni sein, sagte Schäfer-Gümbel. Dann solle der Parteivorstand über das weitere Vorgehen auf dem Weg zu einem neuen Parteivorsitzenden oder auch einer möglichen SPD-Doppelspitze entscheiden und "beraten, wie es inhaltlich und strategisch weitergeht". Namen für die künftige Parteispitze seien an diesem Montag nicht diskutiert worden, hob Schäfer-Gümbel weiter hervor.

Die drei Politiker demonstierten in Berlin Einigkeit. Die Aufgaben, die auf die kommissarische Führung zukommen, seien bewusst "auf mehrere Schultern" verteilt worden, sagte Schwesig. Dabei solle die Partei auch von den "unterschiedlichen Perspektiven" des Trios profitieren. "Aber zwischen uns passt kein Blatt", sagte Schwesig.

"Machen Sie's gut"

Nahles trat am Vormittag im Parteivorstand offiziell zurück. Sie legt auch ihr Amt als Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion nieder. Nahles verließ das Willy-Brandt-Haus mit den Worten "Machen Sie's gut" - und der Vorstand tagte ohne sie weiter. Ziel der Beratungen war ein Fahrplan für eine Neuaufstellung der in eine tiefe Krise gefallenen Partei.

Dreyer war bereits am Wochenende als Interims-Parteichefin im Gespräch gewesen. Sie hatte zum Zusammenhalt in der Krise gemahnt und andernfalls vor einer düsteren Zukunft für die Partei gewarnt. In Rheinland-Pfalz führt sie geräuschlos eine Ampelkoalition. Auch Schwesig war zuvor als mögliche Nahles-Nachfolgerin gehandelt worden.

Quelle: n-tv.de, mba/AFP/dpa

Mehr zum Thema