Politik

Mord im Kleinen Tiergarten Killer hatte wohl Unterstützer in Berlin

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Der Georgier wurde am hellichten Tag im Kleinen Tiergarten erschossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein mutmaßlicher Auftragskiller erschießt in Berlin einen Georgier. Ermittler gehen davon aus, dass der Mörder im Auftrag russischer Stellen gehandelt hat. Vermutet wird auch, dass er dabei auf mindestens einen Helfer in der Hauptstadt bauen konnte.

An der Vorbereitung des womöglich aus Russland gesteuerten Attentats auf einen Georgier in Berlin muss nach Ansicht der Ermittler mindestens ein Helfer vor Ort mitgewirkt haben. Das sagte ein Vertreter des Generalbundesanwalts im Innenausschuss des Bundestages nach Angaben von Teilnehmern einer nicht-öffentlichen Sitzung.

Zur Begründung führte er demnach aus, der Täter sei frühestens einen Tag vor den tödlichen Schüssen auf Tornike K. aus Warschau in die deutsche Hauptstadt gereist. Innerhalb weniger Stunden sei es schlicht unmöglich, den Wohnort und die Gewohnheiten des Opfers auszuspähen, sowie die Flucht zu planen. Unklar ist auch, wer dem Tatverdächtigen, der am 17. August erst von Moskau nach Paris und von dort weiter nach Polen geflogen war, die Tatwaffe vom Typ Glock 26 beschafft hat.

Das Opfer, ein 40-jähriger Georgier, soll in der russischen Teilrepublik Tschetschenien mit den Separatisten gekämpft haben. Ihm war am 23. August im Kleinen Tiergarten von hinten in Rücken und Kopf geschossen worden. Der Tatverdächtige wurde gefasst, sitzt in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Berlin wirft Russland fehlende Kooperation vor

Nach dem Ukraine-Gipfel hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den erschossenen Georgier als "Banditen" und "Mörder" bezeichnet. Den deutschen Behörden warf er vor, den "Verbrecher und Mörder" trotz entsprechender Gesuche nicht ausgeliefert zu haben. Aus der Bundesregierung hieß es, ein solches Ersuchen sei gar nicht bekannt. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen, nannte es in der "Passauer Neuen Presse" "auffällig, dass offensichtlich Präsident Putin dieser Fall und die Identität des Ermordeten gut bekannt sind".

Der Fall hat die deutsch-russischen Beziehungen schwer belastet. Die Bundesregierung wirft Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung vor und wies deshalb zwei russische Diplomaten aus. Der SPD-Innenpolitiker Uli Grötsch sagte nach der Sitzung: "Es darf nicht ohne drastische Konsequenzen bleiben, wenn ein fremder Staat einen Killer nach Deutschland schickt, um hier jemanden zu ermorden."

Unterdessen versuchte der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, zu beschwichtigen. Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" rief er dazu auf, mögliche Mängel bei der Kooperation in dem Fall auszuräumen. "Wenn es irgendwelche Defizite gibt, dann muss man sie finden und beseitigen." Netschajew verwies demnach auf die "partnerschaftlichen Kanäle" zwischen Deutschland und Russland, die "früher auch zwischen den rechtspflegenden Organen funktioniert haben". Diese gelte es zu nutzen und auszuschöpfen, um die Ermittlungen zu erleichtern.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa