Politik

Neujahrsansprache in Nordkorea Kim droht mit "neuem Weg" in Atompolitik

RTX6KG7G.jpg

Kim Jong-un wandte sich im Staatsfernsehen an seine Mitbürger.

(Foto: REUTERS)

Das Treffen mit US-Präsident Trump ist nun einige Monate her. Aus Sicht des nordkoreanischen Machthabers Kim hat sich seitdem noch nicht viel getan. Die USA halten weiter an ihren Sanktionen fest. Langsam verliert Pjöngjang die Geduld.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat den USA mit einem Ende der jüngsten Entspannungspolitik gedroht, sollte Washington seine Sanktionen gegen Pjöngjang beibehalten. In diesem Fall müsse sein Land "über einen neuen Weg nachdenken, um unsere Souveränität und Interessen zu schützen", sagte Kim bei seiner Neujahrsansprache im staatlichen Fernsehen. "Falls die USA ihre vor der ganzen Welt gemachten Versprechen nicht erfüllen, unsere Geduld falsch einschätzen und an Sanktionen und Druckmitteln festhalten, um Dinge einseitig zu erzwingen, werden wir wahrscheinlich keine andere Wahl haben."

Zugleich betonte er, dass ihm an guten Beziehungen mit den Vereinigten Staaten gelegen sei. So ist Kim nach eigenen Worten jederzeit bereit, sich erneut mit US-Präsident Donald Trump zu treffen. Ziel sei es, "ein Ergebnis hervorzubringen, das von der internationalen Gemeinschaft begrüßt wird". Trump und Kim waren im Juni in Singapur zu einem historischen Gipfeltreffen zusammengekommen. Dabei willigte der nordkoreanische Machthaber in die "Denuklearisierung" seines Landes ein.

Nordkorea lehnte bislang aber eine vollständige atomare Abrüstung ohne Gegenleistungen ab und drohte mit der Wiederaufnahme seines Atomprogramms, sollte Washington die Wirtschaftssanktionen nicht aufheben. Die USA beharren auf einer vollständigen nuklearen Abrüstung, bevor die Sanktionen gegen das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm aufgehoben werden.

In seiner Neujahrsansprache sagte Kim, sein Land habe "verkündet, dass wir unser Nukleararsenal nicht mehr produzieren, testen, verwenden oder verbreiten würden". Er rief die USA zu "entsprechenden Maßnahmen" auf. Für Anfang 2019 ist ein zweiter möglicher Gipfel zwischen Kim und Trump anvisiert. Die bereits seit Monaten laufenden Vorbereitungen sind allerdings wiederholt ins Stocken geraten.

Neue Phase der Zusammenarbeit mit Südkorea

Den Großteil seiner Neujahrsrede widmete Kim der katastrophalen wirtschaftlichen Lage seines Landes. Die Verbesserung des Lebens der Nordkoreaner und die Energieknappheit hätten für ihn oberste Priorität. Zudem forderte er, dass keine strategischen Waffen aus dem Ausland auf die koreanische Halbinsel gebracht werden dürften. Die USA und Südkorea sollten überdies auf weitere gemeinsame Militärmanöver verzichten. Diese seien eine "Quelle für Spannungen", sagte Kim. Allerdings waren die Manöver bereits nach dem Gipfel von Singapur stark eingeschränkt worden.

Nach den großen Spannungen 2017 wegen zahlreicher Raketentests und einem weiteren Atomtest durch Nordkorea hatte Kim in seiner Neujahrsansprache des vergangenen Jahres versöhnlichere Töne angeschlagen. Auch mit Südkorea trat Nordkorea in eine neue Phase der Zusammenarbeit und Aussöhnung ein. An Südkorea gewandt rief Kim zu einer noch engeren Kooperation auf.

Sein Land sei bereit, den Betrieb eines gemeinsamen Industrieparks sowie das gemeinsame Programm für Touren zum Kumgang-Gebirge an der Ostküste wieder aufzunehmen. Beide Projekte wurden in den vergangenen Jahren angesichts zunehmender Spannungen eingestellt. Einer Wiederaufnahme stehen die Sanktionen gegen Pjöngjang im Weg.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

Mehr zum Thema