Politik

Gipfel-Verlegung stand im Raum Klima-Aktivisten besetzen EU-Gipfel-Gebäude

0106e4d9fc52f4dcd53c897801aa3ea3.jpg

Das Gipfelgebäude bot am Vormittag einen dramatischen Anblick.

(Foto: REUTERS)

Eine Protestaktion gegen die Klimapolitik führt beinahe zur Verlegung des EU-Klima-Gipfels in Brüssel. Aktivisten besetzen die Fassade des Gipfel-Gebäudes und verkünden auf einem riesigen Banner den "Klima-Notstand". Die Polizei beendet die Aktion mithilfe der Feuerwehr.

Greenpeace-Aktivisten haben am Vormittag für mehrere Stunden das Gebäude des EU-Gipfels in Brüssel besetzt. Mehr als zwei Dutzend Umweltschützer kletterten vor dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs die Fassade des Europa-Gebäudes hoch und entrollten ein Banner mit der Aufschrift "Klima-Notstand". Die Polizei holte daraufhin nach und nach die Aktivisten mithilfe von Drehleitern der Feuerwehr vom Gebäude. Die Aktion war am späten Vormittag beendet.

Zentrales Thema des am Nachmittag beginnenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs ist die Frage, ob sie sich zu dem Ziel bekennen, Europa bereits bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen. Osteuropäische Staaten wie Polen, Ungarn und Tschechien fordern aber zuerst umfassende Finanzzusagen, um die Umstellung ihrer Wirtschaft auf erneuerbare Energien zu bewerkstelligen.

"Die Welt steht in Flammen"

Die Aktivisten seien mit einem alten Feuerwehrauto bis an das Gipfelgebäude gefahren, erklärte Greenpeace. Sie nutzten dann die Feuerwehr-Leiter, um auf das Gebäude zu klettern. An der Aktion nahmen den Angaben zufolge 61 Umweltschützer aus sieben europäischen Ländern teil, darunter auch aus Deutschland. 28 seien auf das Gebäude geklettert.

Neben dem Banner mit der Aufschrift "Klima-Notstand" befestigten die Aktivisten weitere Transparente an der Fassade, auf denen Flammen zu sehen waren. Später entzündete Rauchbomben erweckten den Eindruck, als stehe das Gebäude in Flammen. Auf kleineren Plakaten war die Aufschrift "Klima-Verzögerer im Inneren" zu lesen.

"Die Welt steht in Flammen und unsere Regierungen lassen sie brennen", erklärte der Leiter von Greenpeace EU, Jorgo Riss. Es sei nicht ausreichend, sich auf eine klimaneutrale EU im Jahr 2050 zu verpflichten. Es müsse jetzt gehandelt werden.

Rund 20 Festnahmen

Die belgische Polizei musste die echte Feuerwehr zu Hilfe rufen, um die Aktivisten vom Gebäude zu holen. Sie fuhr zwei große Drehleitern aus, um die angeseilten Aktivisten von der Fassade zu lösen. Nach vorläufigen Angaben der Polizei wurden rund 20 Menschen wegen der Protest-Aktion festgenommen. Greenpeace bestätigte zunächst 21 Festnahmen.

Da anfangs unklar war, wie lange die Aktivisten auf dem Gebäude bleiben würden, prüfte der EU-Rat bereits eine Verlegung des Gipfels, der am Nachmittag beginnen sollte. "Der Gipfel wird stattfinden, aber es wird überlegt, ob er in das JL-Gebäude verlegt wird", hieß es in einer Botschaft an die Mitarbeiter des EU-Rates. Dieses liegt direkt daneben.

Aus dem Rat hieß es nach dem Ende der Aktion, der Gipfel könne wie geplant im Europa-Gebäude stattfinden. Erste Treffen von EU-Ratspräsident Charles Michel wurden jedoch vormittags in dem Nebengebäude abgehalten. In einer Durchsage wurde Journalisten kurz vor Mittag mitgeteilt, dass das Europa-Gebäude nun wieder zugänglich sei.

Quelle: ntv.de, shu/AFP