Politik

Bundesregierung im Vergleich Klöckner hat klimaschädlichsten Dienstwagen

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Klöckners Audi A8 Diesel stößt 191 Gramm CO2 pro Kilometer aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dienstwagen sollen klimafreundlicher werden, fordert die Bundesregierung regelmäßig. Doch geht sie mit gutem Beispiel voran? Nicht immer, sagen Experten und kritisieren, dass die angegebenen CO2-Werte häufig nicht der Realität entsprechen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von der CDU fährt aktuell den klimaschädlichsten Dienstwagen der Bundesregierung. Ihr verlängerter Audi A8 Diesel (Audi A8 L 50 TDI Quattro) stößt 191 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Nun gut, das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit, denn die Bundesministerin leistet sich noch einen zweiten Wagen: Einen BMW 745Le. Das ist die Plug-in-Hybrid-Version der bayrischen Luxuslimousine mit einer rein elektrischen Reichweite von etwa 50 Kilometern. Im Durchschnitt stößt der dann auch nur 59 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor, die ntv.de vorliegt. Auf Platz zwei folgt demnach Kanzleramtsminister Helge Braun von der CDU, der mit seinem BMW 730Ld 150 Gramm ausstößt. Aber auch hier muss darauf verwiesen werden, dass Braun jederzeit ein zweiter Wagen zur Verfügung steht. Und zwar ebenfalls der oben beschriebene BMW 745Le. Seit 2020 gilt in der EU für Hersteller ein CO2-Flottengrenzwert von 95 Gramm.

CDU-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, SPD-Justizministerin Christine Lambrecht und SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil pusten alle drei mit einem Audi A8 TFSI e, ebenfalls Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, die zum einen von einem Benzinmotor und einem Elektromotor angetrieben werden, jeweils 66 Gramm CO2 je Kilometer in die Atmosphäre. Das ist gemessen an einem Fahrzeug mit Diesel dieser Größe oder gar einem Benziner wenig. Hier liegen die Werte im Drittelmix etwa bei 186 bis 245 Gramm CO2 je Kilometer. Bei Verkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU sind es über seinen Plug-in-Hybrid in Form des BMW 745 Le auch nur 60 Gramm. SPD-Umweltministerin Svenja Schulze verfügt ebenfalls über ein solches Modell, hat aber gleichzeitig mit dem Mercedes EQC 400 ein reines Elektroauto in ihrem Fuhrpark, das bei Dienstfahrten eben kein CO2 ausstößt.

Die Ministerriege kann auch auf gepanzerte Fahrzeuge zurückgreifen. Allerdings kommen die 14 "sondergeschützten Limousinen" nur in besonderen Fällen zum Einsatz. Wenn sie dann aber unterwegs sind, liegt ihr CO2-Ausstoß wegen des hohen Gewichts, das mit der großen Sicherheit einhergeht, zwischen 260 und 421 Gramm CO2 pro Kilometer. Allerdings ist nicht anzunehmen, dass Angela Merkel, Olaf Scholz, Horst Seehofer, Heiko Maas und Annegret Kramp-Karrenbauer mit diesen Sonderfahrzeugen Distanzen über mehrere Hundert Kilometer zurücklegen. Um welche Fahrzeuge es sich hier im Einzelnen handelt, weist die Antwort der Bundesregierung nicht aus.

"Die GroKo macht sich unglaubwürdig"

Von der FDP kam scharfe Kritik. "Wenn eine Bundesregierung wie beim Thema Klimaschutz viel von den Menschen einfordert, dann müssen Regierungsmitglieder und Ministerien die ersten sein, die hier vorangehen", sagte die FDP-Bundestagsabgeordnete Sandra Weeser, Obfrau im Wirtschaftsausschuss des Bundestags. "Sonst macht sich die Politik unglaubwürdig. Nichts anderes macht diese Große Koalition." Weeser kritisierte zudem, dass die zweite Reihe der Ministerien noch klimaschädlichere Fahrzeuge fahre. Im Bestand befinden sich hier Modelle wie der Mercedes-Benz S 350 d, mit Reihensechzylinder Diesel und einem CO2-Ausstoß von 190 Gramm CO2 je Kilometer oder ein Audi A8 50 TDI mit einem V6-Diesel und einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 194 g/km. "Außerhalb des Scheinwerferlichts setzen die weniger exponierten parlamentarischen Staatssekretäre vielfach also weiter auf Dienstwagen mit einem CO2-Ausstoß von 190g/km und mehr. Und das bei einem EU-Flottengrenzwert von 95g/km."

Die CO2-Werte, die die Bundesregierung auf dem Papier angibt, dürften in der Realität noch höher ausfallen. "In unseren Dienstwagenumfragen zeigen wir jedes Jahr: Die Emissionen der Dienstwagen im Realbetrieb sind bei Verbrennerfahrzeugen wesentlich höher und damit gleichzeitig auch die CO2-Emissionen", erklärte Barbara Metz, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem "Tagesspiegel".

Bei Plug-in-Hybriden sei es besonders drastisch. "Auf dem Papier ein Klimagewinn, auf der Straße ein Spritschlucker. Denn gerade die dienstlich genutzten Fahrzeuge werden häufig nicht geladen, der Löwenanteil der Strecke wird im Verbrennungsmodus gefahren."

Quelle: ntv.de, hek

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