Politik

Ende des routinemäßigen Tötens Klöckner lässt Küken früher aussortieren

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Viele Küken werden künftig erst gar nicht das Licht der Welt erblicken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ab 2022 sollen das massenhafte Töten männlicher Küken in Deutschland verboten werden. Dann müssen Zuchtbetriebe das Geschlecht der Tiere bereits im Ei bestimmen. Stimmt der Bundestag zu, würde Deutschland einen nationalen Alleingang starten.

Nach jahrelangen Diskussionen soll das Töten von männlichen Eintagsküken in Deutschland ein Ende haben. Agrarministerin Julia Klöckner stellte ihren Gesetzentwurf vor, der ein Verbot ab Ende 2021 vorsieht. Sie sprach von einem "Meilenstein für den Tierschutz" und betonte, Deutschland sei weltweit Vorreiter in dieser Frage. Der Tierschutzbund hält die Regelung aber für nicht weitgehend genug.

Bislang ist es in der Geflügelindustrie üblich, dass männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert werden, weil sich ihre Aufzucht wirtschaftlich nicht lohnt. Sie legen keine Eier und entwickeln weniger Fleisch. Bemühungen, diese Praxis zu beenden, gibt es seit Jahren.

Klöckners Gesetzentwurf sieht nun zunächst ein Verbot für die Tötung von lebensfähigen Küken vor. Ab 2024 soll auch das Töten von Hühnerembryonen im Ei nach dem 6. Bruttag untersagt werden - dann ab dann würde auch die Embryonen Schmerz empfinden. Bis dahin sollen Verfahren entwickelt werden, die eine frühere Geschlechtsbestimmung im Ei ermöglichen, so dass männliche Embryonen früh aussortiert werden können.

Klöckner: Industrie hat genug Zeit

"Tiere sind unsere Mitgeschöpfe" betonte Klöckner. Es gehe nicht nur um Tierschutz, sondern auch um eine "ethische Frage", wenn Tiere wegen ihres Geschlechts getötet würden. Klöckner warb neben den technischen Verfahren daher auch für die Aufzucht männlicher Hühner und für sogenannte Zweinutzungshühner, die sich sowohl zum Eierlegen als auch zum Schlachten eignen.

Die Ministerin zeigte sich überzeugt, dass die Branche mit dem Gesetzentwurf genügend Zeit habe, sich umzustellen. Die von ihrem Ministerium geförderten Verfahren zur Bestimmung des Geschlechts im Ei zwischen dem 9. und 14. von insgesamt 21 Bruttagen seien inzwischen "marktreif".

Auch der Handel sei "in der Verantwortung", sein Sortiment entsprechend umzustellen und nicht etwa auf importierte Eier zu setzen, "weil es vielleicht zwei Cent billiger ist". Die Verbraucher seien bei dem Thema bereits überzeugt: "Die Bevölkerung will es", sagte Klöckner mit Blick auf das Ende des Kükentötens.

Tierschützer beklagen zu viel Taktiererei

Der Tierschutzbund warf Klöckner vor, sie habe zunächst "verzweifelt versucht, mit der Geflügel-Branche freiwillige Vereinbarungen für den Ausstieg aus dem Kükentöten zu erzielen". Dies sei krachend gescheitert. "Durch die Klöcknersche Taktik wurde viel Zeit verspielt", beklagte Tierschutzpräsident Thomas Schröder. "Jetzt kann die Branche noch Jahre tierschutzwidrig männliche Küken beseitigen." Der Verband betonte, ein Hühnerembryo könne ab dem 7. Bruttag Schmerz empfinden.

Auch vom Koalitionspartner SPD kam Kritik an der Ministerin. "Dadurch, dass Frau Klöckner erst den Weg der Freiwilligkeit gehen wollte, hat sie viel Zeit verschenkt", erklärte SPD-Tierschutzexpertin Susanne Mittag. Die Koalition habe eigentlich vereinbart, schon zur Mitte der Wahlperiode das Verbot der Kükentötung durchzusetzen.

FDP-Agrarexperte Karlheinz Busen warf Klöckner vor, ihr Plan werde dafür sorgen, "dass zukünftig Küken kurz hinter der Grenze geschreddert werden". Die Ministerin vertue die Chance der EU-Ratspräsidentschaft, um ein europaweites Verbot anzustoßen. Klöckner wies dies zurück. Sie arbeite auf europäischer Ebene an einer einheitlichen Regelung, dies gehe aber nicht so schnell. Wer auf Europa verweise, schiebe den Tierschutz "auf die lange Bank".

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP