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Dienstag, 01. Mai 2018

Nach mehr als 40 toten Schafen: Klöckner will Wolfsabschuss ermöglichen

Ein Wolf reißt im baden-württembergischen Bad Wildbad mehrere Dutzend Schafe und facht damit die Debatte um den Umgang mit seinesgleichen an: Sollen Wölfe im Notfall geschossen werden dürfen? In der Politik gehen die Meinungen auseinander.

Nach der Wolf-Attacke mit mehr als 40 toten Schafen in Baden-Württemberg sieht Bundesagrarministerin Julia Klöckner Handlungsbedarf. "Wir müssen die Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland genauer beobachten", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dazu sei ein effektives Wolfsmanagement nötig, das zeige, wie sich die Wolfsbestände in den Regionen entwickeln. Auch der Abschuss von Wölfen soll laut Klöckner möglich sein. "Wo der gewünschte Erhaltungszustand des Wolfes erreicht ist, kann entsprechend reagiert werden", sagte die Ministerin.

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Hintergrund der Äußerungen ist der Tod von mehr als 40 Schafen nach einer vermuteten Wolf-Attacke in Bad Wildbad, die am Montag bekannt wurde. Die meisten Schafe soll ein Wolf gerissen haben, einige mussten wegen ihrer schweren Verletzungen getötet werden. Das baden-württembergische Umweltministerium hatte zunächst von 32 gerissenen Schafen gesprochen und bestätigt: "Nach den ersten Untersuchungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg vor Ort ist dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf verantwortlich." Gewissheit werde jedoch erst eine genetische Analyse von Proben der toten Tiere geben.

Nach Angaben von Schäferpräsidentin Anette Wohlfahrt hielt sich die Herde mit über 150 Tieren in einem umzäunten Areal auf. Eventuell sei der Wolf über den nahen Fluss eingedrungen. Die Herde sei erst vor wenigen Tagen vom Stall auf die Weide gekommen. Der Vorfall ist für sie ein trauriger Beleg für die lange gehegte Vermutung: "Weidetierhaltung und Wolf zusammen funktioniert nicht flächendeckend in Baden-Württemberg."

Koalitionsvertrag sieht Maßnahmen vor

Wolfs-Freunde wie Grüne und Naturschützer zeigten sich betroffen: "Jetzt gilt es, dem Schäfer so schnell wie möglich zu helfen", meinte Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Und es gelte, Baden-Württemberg schnell auf die Rückkehr der Wölfe vorzubereiten. Mit effektivem Herdenschutz ließen sich solche Vorfälle in der Regel verhindern.

FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte die Grünen indessen auf, ihre "romantische Wolfspatenschaft" zu beenden. Der Wolf müsse unter die Kontrolle des Jagdrechts gestellt werden. "Das hat sich auch bei den geschützten Tierarten wie dem Luchs bewährt. Als dicht bevölkertes Flächenland müssen wir durch bessere Kontrolle verhindern, dass Wölfe zum Problem werden."

Seit der Jahrtausendwende vermehren sich die Wölfe wieder in Deutschland, nachdem sie rund 150 Jahre hierzulande als ausgestorben galten. Die größten Populationen gibt es in Ostdeutschland und Niedersachsen. Schätzungen zufolge gibt es bundesweit rund 800 Tiere. Maßnahmen gegen die ungehinderte Ausbreitung hatten CDU, CSU und SPD auch in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. "Im Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität", heißt es dort.

Die EU-Kommission soll aufgefordert werden, "den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können". Zudem will der Bund mit Ländern und Wissenschaft Kriterien entwickeln zur "letalen Entnahme", wie das Abschießen umschrieben wird.

Quelle: n-tv.de