Politik

Kurz vor Ende der AuszählungKnappes Rennen bei EU-Referendum in Island

30.08.2026, 10:47 Uhr
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Die ersten Beitrittsgespräche wurde 2013 von der EU-kritischen Regierung in Reykjavik abgebrochen. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

In Island entscheidet sich an diesem Wochenende, ob die Insel Beitrittsverhandlungen mit der EU wieder aufnimmt. Angesichts von Trump und der hohen Inflation befürworten viele Isländer Gespräche mit Brüssel. Der wichtige Fischereisektor sperrt sich aber dagegen - und scheint bislang erfolgreich zu sein.

Beim Referendum in Island über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union liegen die Gegner kurz vor dem Ende der Auszählungen vorn. Sie lagen laut Online-Auszählung mit 51,8 Prozent vor den Befürwortern, die auf 48,2 Prozent kamen. Es standen nur noch einige Stimmen aus zwei von Islands sechs Wahlkreisen aus. Ein verlässliches Ergebnis werde jedoch erst für Sonntagmittag erwartet, teilte die Wahlleitung mit.

Das Land mit knapp 400.000 Einwohnern und 273.000 Wahlberechtigten hatte nach der Finanzkrise 2009 den Beitritt zur EU beantragt. Die Gespräche wurden 2013 abgebrochen, als eine EU-kritische Regierung in Reykjavik an die Macht kam.

Die Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das benachbarte Grönland zu annektieren, der Ukraine-Krieg sowie wachsende Inflation und hohe Zinsen führten bei vielen Isländern zu einem Umdenken. Ein "Ja" würde Gespräche mit Brüssel ermöglichen. Über einen tatsächlichen EU-Beitritt müsste Island zu einem späteren Zeitpunkt in einem zweiten Referendum entscheiden. Befürworter der Gespräche argumentieren, eine Mitgliedschaft könne die hohen Zinsen im Land senken und angesichts des Krieges in der Ukraine mehr Sicherheit bieten.

Ablehnung des Fischereisektors

Insbesondere in dem für das Land enorm wichtigen Fischereisektor überwiegt aber die Ablehnung gegenüber einem EU-Beitritt. Gegner befürchten einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle über die Fischereigewässer. "Dies ist ein großer Tag, wir haben jahrelang auf diese Abstimmung gewartet", sagte Ministerpräsidentin Kristrun Frostadottir. Ihre Regierung werde ihre Arbeit unabhängig vom Ausgang fortsetzen.

Die Debatten in Island konzentrierten sich großteils auf die hohen Zinsen, die Fischereirechte und die Lebenshaltungskosten. Das Land kämpft mit hartnäckig hoher Inflation und Zinsen, die Hypotheken teuer machen. Der Leitzins der isländischen Zentralbank liegt bei 8 Prozent, während der der Europäischen Zentralbank (EZB) 2,25 Prozent beträgt. Oppositionsführerin Gudrun Hafsteinsdottir, die die "Nein"-Kampagne anführte, argumentierte jedoch: "Das sind keine Probleme, die Brüssel für uns lösen wird, sondern Aufgaben, die isländische Politiker lösen müssen."

Quelle: ntv.de, raf/AFP/rts

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