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"Anteil am Tod meiner Mutter" Kohl-Sohn macht Merkel schwere Vorwürfe

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Altkanzler Helmut Kohl und sein ältester Sohn Walter: Ließ Angela Merkel ihre Freundin Hannelore Kohl in schwerer Situation fallen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Sommer 2001 nimmt sich Hannelore Kohl das Leben. Hinter ihr liegen Monate, in denen sie laut ihrem Sohn heftige Schmähungen im Zusammenhang mit der CDU-Spendenaffäre ertragen musste. Ihr Sohn Walter sieht dafür bei Kanzlerin Merkel eine Mitschuld.

Walter Kohl macht Bundeskanzlerin Angela Merkel mitverantwortlich für den Tod seiner Mutter Hannelore. Dem "Zeit-Magazin" sagte Kohl: "Für mich hat Frau Merkel einen nicht unerheblichen Anteil am Tod meiner Mutter." Hannelore Kohl, frühere Gattin von Altkanzler Helmut Kohl, nahm sich im Juli 2001 das Leben. Sie litt an einer schweren Lichtallergie.

Der mit 53 Jahren älteste Sohn Kohls bezieht seinen Vorwurf auf Merkels Rolle in der Affäre um illegale Parteispenden im Jahr 1999. Merkel hatte sich als CDU-Generalsekretärin in ungewöhnlich scharfer Form in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" von dem damals bereits abgetretenen Parteichef distanziert, weil er sich weigerte, die Herkunft illegaler Spenden preiszugeben.

Walter Kohl sagte dem "Zeit-Magazin", Merkel habe wissen müssen, dass sie damit "eine Lawine lostritt, die unsere Mutter und unsere Familie schwer beschädigen würde". Merkel habe sich "schäbig" verhalten und "im Machtkampf in der CDU das Leid meiner Mutter einfach als Kollateralschaden hingenommen", so Kohl. Sie habe "zu keinem Zeitpunkt öffentlich gesagt: 'Lasst die Familie aus dem Spiel.' Dabei wusste sie genau, dass meine Mutter schwer krank war".

Seine Mutter sei im Zuge der Spendenaffäre öffentlich "auf übelste Art geschmäht, sogar als 'Spendenhure' beschimpft" worden, so Kohl. "Sie wurde zur Unperson. Für sie war das alles umso schmerzhafter, weil sie sich von Angela Merkel verraten fühlte." Beide seien einmal eng befreundet gewesen: "Die beiden haben sich häufig getroffen und viel miteinander gesprochen. Von meiner Mutter weiß ich, dass sie sich gegenseitig sehr persönliche Dinge anvertraut haben. Es war eine Freundschaft." Hannelore Kohl habe "diesen Verrat an ihrer Freundschaft nie verkraftet". Merkel habe sich danach nie wieder bei seiner Mutter gemeldet.

Walter Kohl betonte, es gehe ihm nicht darum, die Schuld seines Vaters an der Spendenaffäre zu relativieren. Auch der Altkanzler habe "wahrlich viel dafür getan", dass die Spendenaffäre eskaliert sei. Es gehe ihm "um etwas viel Grundsätzlicheres: das menschliche Verhalten von Angela Merkel in diesem parteiinternen Machtkampf".

Im "Zeit-Magazin" bezieht sich Kohl auch auf Protokolle aus dem CDU-Präsidium, die ihm einst sein Vater gezeigt habe. "Daraus geht hervor, dass Frau Merkel zu Beginn der Spendenaffäre intern sagte: 'Wir dürfen Helmut Kohl, von dem wir viele Jahre profitiert haben, nicht im Regen stehen lassen. Vor allem müssen wir auch seine Familie schützen'", so Walter Kohl. Daran habe sich Merkel später selbst nicht mehr gehalten.

Quelle: n-tv.de, jog

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