Politik

Russisches Mordvideo Früherer Wagner-Söldner identifiziert Täter

Das Wagner-Emblem ist in dem Video nicht zu sehen. Der frühere Söldner erkennt in dem Video unter anderem "charakteristische Rufzeichen".

Das Wagner-Emblem ist in dem Video nicht zu sehen. Der frühere Söldner erkennt in dem Video unter anderem "charakteristische Rufzeichen".

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Auf russischen Kanälen taucht ein abscheuliches Video auf. Es zeigt, wie ein Mann in Uniform einem ukrainischen Gefangenen mit einem Messer den Kopf abschneidet und dabei von anderen angefeuert wird. Ein ehemaliger Wagner-Söldner ist sich sicher, den Täter zu kennen.

In dem Video, das die Enthauptung eines ukrainischen Kriegsgefangenen zeigen soll und international für Entsetzen sorgt, hat ein russischer Ex-Söldner Bürgerrechtlern zufolge frühere Kameraden als Täter identifiziert. Man habe Andrej Medwedew, der vor Monaten nach Norwegen geflohen war und derzeit in Schweden inhaftiert ist, das Videomaterial zukommen lassen, sagte der Gründer der russischen Bürgerrechtsorganisation Gulagu.net, Wladimir Ossetschkin, in einem Interview.

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"Er hat es mehrmals aufmerksam angehört und geschaut und er erkennt dort eindeutig seine früheren Kollegen, Kämpfer der Söldnertruppe Wagner", erklärte Ossetschkin in dem Beitrag, der auf dem Youtube-Kanal des im Ausland lebenden russischen Oppositionellen Michail Chodorkowski veröffentlicht wurde. Medwedew, der früher selbst für die berüchtigte russische Söldnergruppe kämpfte, habe die Männer anhand "charakteristischer Spitznamen, ihrer Art zu sprechen und dem, was sie über Funk sagen" identifiziert, so der Bürgerrechtler weiter. Im Video ist im Hintergrund zu hören, wie einer der Männer, der nicht im Bild ist, über Funk spricht. Dabei fällt auch der Spitzname "Waräger", schrieb die oppositionelle Internetzeitung "The Insider". Waräger waren seit dem 8. Jahrhundert eine Teilgruppe der Wikinger.

Ossetschkins Organisation ist eigentlich in erster Linie für ihren Einsatz gegen Gewalt in russischen Straflagern bekannt. Sie betreute allerdings auch Ex-Söldner Medwedew, als dieser im Januar in Norwegen gemäß dem dortigen Einwanderungsgesetz nach seiner Flucht festgenommen wurde. Später wurde Medwedew in Norwegen wieder freigelassen - einige Wochen später aber im Nachbarland Schweden wegen unerlaubter Einreise inhaftiert.

Das rund eineinhalbminütige Video war zunächst aus russischen Telegram-Kanälen aufgetaucht. Es zeigt, wie ein uniformierter Mann von einem anderen enthauptet wird. Der Täter trägt dabei eine für russische Soldaten typische weiße Kennzeichnung an der Kleidung. Die Echtheit des Videos sowie der Zeitpunkt der Aufnahme ließen sich bislang allerdings noch nicht unabhängig überprüfen. Aufgrund grüner Blätter an den Bäumen liegt es nahe, dass die Aufnahmen aus dem letzten Jahr stammen.

Selenskyj bittet um Gedenkminute

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief als Reaktion auf das mutmaßliche Kriegsverbrechen bei einer Veranstaltung zu einer Schweigeminute auf. "Ich bitte Sie nun, mit einer Schweigeminute des ukrainischen Soldaten zu gedenken, dessen Tod wir gestern alle miterlebt haben", sagte der per Video zugeschaltete Selenskyj bei einem Runden Tisch zur Ukraine während der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.

Er erinnerte auch an die weiteren Opfer des russischen Angriffskriegs. Daraufhin hielt Selenskyj kurz inne. "Die Ukraine durchlebt derzeit einen Sturm der Gefühle", sagte der ukrainische Präsident außerdem. Die russische Armee versuche, dieses Ausmaß an Gewalt und Gräueltaten überall in der Ukraine zur Routine werden zu lassen und sei stolz darauf. "Die lange Geschichte der russischen Straflosigkeit muss endlich aufhören", forderte Selenskyj weiter. Jeden Tag würden in der Ukraine "Männer, Frauen, Erwachsene und Kinder" durch die Hand Russlands sterben.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 13. April 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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