Politik

"Das Duell bei n-tv" Künast fordert Verdienstkreuz für Tugce

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Tugce sei "für alle ein großes Vorbild", meint Renate Künast.

(Foto: n-tv)

Der "Fall Tugce" bewegt das Land. Grünen-Politikerin Künast schließt sich der Forderung nach einem Bundesverdienstkreuz für die junge Frau an, die durch ihre Zivilcourage ihr Leben verlor. Bei n-tv spricht Künast über die Hoffnungen, die sie damit verbindet.

Renate Künast unterstützt die Forderung nach der posthumen Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Tugce Albayrak. "Ich finde es gut, sie soll es kriegen. Und ich bin sicher, dass der Bundespräsident das ganz warm aufnimmt", sagte Künast in "Das Duell bei n-tv" (Thema: "Trauer um Tugce – was tun mit jungen Gewalttätern?"). In einer Onlinepetition hatten sich zahlreiche Menschen dafür eingesetzt, dass Tugce Albayrak mit der Auszeichnung geehrt wird. "Das ist auch eine Respektfrage, dass 160.000 Menschen das sagen. Ich glaube, sie ist am Ende für alle ein großes Vorbild," so Künast.

"Und vielleicht – das wäre jetzt mein kleines Träumchen daran – kann das ja auch auslösen, dass der Bundespräsident dadurch eine neue Idee kriegt. Sich nämlich auch mit Jugendlichen – und zwar mit denen, die Irrwege gehen und denen, die Zivilcourage haben – noch mehr beschäftigt."

"Das Problem ist hausgemacht"

Der Tod der 22-jährigen Albayrak am 28. November hatte in ganz Deutschland Bestürzen ausgelöst. Sie war vor zwei Wochen niedergeschlagen worden, weil sie zwei Mädchen zur Hilfe gekommen war. Die Mädchen waren von mehreren Männern belästigt worden. Nach dem Angriff fiel die 22-jährige Albayrak in ein Koma, aus dem sie nicht mehr erwachte. Auch Künasts Gesprächspartner, der Jugendrichter Andreas Müller, unterstützte den Vorschlag: "Es ist natürlich so, dass es auch gut für die Opfer-Eltern ist", so Müller, der sich seit langem für einen schnellere Bestrafung jugendlicher Intensivtäter einsetzt. "Es ist ein Ansporn für all diese Menschen, die auf irgendeine Art gegen Gewalt in dieser Gesellschaft angehen."

Der mutmaßliche Täter, ein 18-Jähriger, soll Medienberichten zufolge mehrfach mit Gewaltdelikten aufgefallen sein, dafür aber niemals vor Gericht gestanden haben. Das Intensivtäterproblem – Müller bezifferte die Zahl in Deutschland auf 12.000 bis 15.000 Jugendliche – ist laut dem Jugendrichter hausgemacht: "Dass wir deutsche Intensivtäter und auch Prügler nicht schnell genug unter Kontrolle kriegen, das ist so. Der Staat hat eine Mitschuld daran, dass wir überhaupt Intensivtäter haben."

"Wir brauchen den Arrest"

Müller wies nachdrücklich auf die Bedeutung des sogenannten "Warnschussarrests" hin, um angehende Intensivtäter abzuschrecken: "Wenn wir keinen Arrest hätten, womit soll ich drohen? Womit soll ich den Jungs drohen? Soll ich sagen: Ja, beim ersten Mal 30 Arbeitsstunden, beim zweiten Mal 70 Arbeitsstunden und beim dritten Mal dann einen ganz bösen Sozialarbeiter? Nein: wir brauchen den Arrest. Ganz schlicht und einfach."

Im Fall Tugce wurde die Rekonstruktion des Tathergangs durch die Bilder einer Überwachungskamera erleichtert. Grünen-Politikerin Künast gab aber zu bedenken, dass mehr Kameras mitnichten mehr Sicherheit bringen würden: "Die Videoüberwachung wird uns manchmal verkauft als ein Allheilmittel – und das ist es nicht", sagte sie. Zwar seien die Videos als Beweismaterial sehr nützlich – Gewalttaten würden sie aber nicht verhindern: "Wenn Bahnhöfe unbemannte Raumstationen sind, dann gibt es niemanden, der den Alarmknopf drückt."

Einig waren sich die Gesprächspartner darin, dass mehr Personal in Justiz, bei der Polizei und im Sozialwesen gebraucht werde, um das Intensivtäterproblem zu bekämpfen. Jugendrichter Müller wies aber auch darauf hin, dass personelle Ressourcen in vielen Fällen einfach falsch eingesetzt würden, nämlich für die Bekämpfung von Cannabis. "Jeden Tag laufen 50 Beamte in Berlin durch den Görlitzer Park, um irgendein Suchtmittel zu bekämpfen, das der amerikanische Präsident in seiner Dienstvilla haben darf." Man solle die Polizei lieber "dorthin stecken, wo wirklich die meisten Opfer geschaffen werden".

Quelle: ntv.de