Bei Familienbesuch festgenommenKünstler von Mao-Skulpturen in China zu drei Jahren Haft verurteilt

Gao Zhen greift in China sensible Themen wie die Kulturrevolution oder das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in seiner Kunst auf. Er lebt in den USA, wird aber 2024 während eines China-Besuchs festgenommen. Hinter verschlossenen Türen wird ihm der Prozess gemacht.
Ein Gericht in China hat den regierungskritischen Künstler Gao Zhen wegen "Beleidigung von Helden und Märtyrern" zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Richter in Sanhe in der nordchinesischen Provinz Hebei hätten damit die Höchststrafe gegen den 70-Jährigen verhängt, erklärte die Organisation "Chinese Human Rights Defenders" (CHRD). Gao ist bekannt für provokative Skulpturen des Staatsgründers Mao Zedong.
Die "Verhängung der Höchststrafe für dieses Delikt" durch das Gericht in Sanhe verdeutliche "die Entschlossenheit der Behörden, andere von unabhängiger Kunstausübung abzuschrecken", erklärte die China-Expertin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Sarah Brooks. "Kein Künstler sollte strafrechtlich belangt werden, weil er Werke schafft, die offizielle Narrative hinterfragen oder zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte anregen", fügte sie hinzu.
Gao Zhen und sein jüngerer Bruder Gao Qiang, besser bekannt als die Gao-Brüder, wurden in den 2000er Jahren dafür bekannt, in China sensible Themen wie die Kulturrevolution oder das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 provokativ in ihrer Kunst aufzugreifen.
Bekannt ist unter anderem die Bronzestatue "Maos Schuld", die den 1976 verstorbenen Staatslenker reumütig kniend zeigt. Das Werk aus dem Jahr 2009 war laut Gaos Ehefrau eines von drei Beweismitteln im Prozess, wie die "New York Times" berichtete. Eine weitere vorgebrachte Skulptur zeigt Mao mit einer Pinocchio-Nase und Brüsten.
Vor zwei Jahren war bekanntgeworden, dass Gao, der eigentlich in New York lebte, während eines Familienbesuchs in Peking festgenommen wurde. Seine Frau und sein Sohn, der US-Bürger ist, konnten seitdem nicht ausreisen. Im März wurde ihm hinter verschlossenen Türen der Prozess gemacht. Seiner Frau zufolge hatte er sich nicht schuldig bekannt. Mit den bereits zwei abgesessenen Jahren in Untersuchungshaft würde Gao rechnerisch im kommenden Jahr frei kommen.