Politik

Berlin offen für Bayerns Modell Länderchefs sind uneins über Testoffensive

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Corona-Tests sollen für Bürger möglichst unproblematisch werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kann die Ausbreitung des Coronavirus durch massives Testen auf den Erreger eingedämmt werden? Bayerns Ministerpräsident Söder glaubt an den Erfolg von kostenloses Tests für alle Bürger. Während sein Vorstoß in der Bundeshauptstadt auf offene Ohren stößt, sind andere Ministerpräsidenten weniger angetan.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller geht davon aus, dass es in Berlin kostenlose Coronavirus-Tests für alle geben wird. "Ich glaube, wir werden auch sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen", sagte er in der ntv-Sendung "Klamroths Konter". Wenn ein Bundesland so anfange und viele andere "schon eine Teststrategie haben, dann wird das eine Welle", sagte der SPD-Politiker weiter. Dann würden die Tests günstiger und einfacher.

Bald werde es für "viele Menschen ganz unproblematisch sein, sich testen lassen zu können", so Müller. Berlin mache die Tests bislang schrittweise, "um auch ein Gefühl dafür zu bekommen, wo können Infektionsherde sein". Symptom- und anlasslos testen lassen können sich bislang einige Mitarbeiter in Kitas und Schulen, wobei das im Sommer auf alle dort Beschäftigten und andere Bereiche ausgeweitet werden soll.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses allerdings deutlich gemacht, dass sie vorerst keine kostenfreien Tests für alle in der Hauptstadt sieht. "Wir wollen in Berlin mehr testen", sagte sie. "Aber wir wollen schon auch gezielter testen."

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte sich derweil skeptisch gegenüber dem bayerischen Vorstoß. "Ein einfacher einzelner Test alleine nützt gar nichts", sagte er dem MDR. Dies schaffe "tatsächlich auch falsche Sicherheitsgefühle", gab Ramelow zu bedenken. Auch Baden-Württembergs Landesregierung distanzierte sich von Tests für alle Bürger. "Eine prophylaktische flächendeckende Testung ist nicht automatisch erfolgversprechend", erklärte Gesundheitsminister Manne Lucha anlässlich der Vorstellung einer erweiterten Teststrategie. Unter anderem sollen in dem Bundesland Mitarbeiter in Krankenhäusern und der Pflege regelmäßig getestet werden; die Tests sollen weiter nur gezielt stattfinden.

"Schneller, kostenlos und für jedermann"

Nordrhein-Westfalen wird ebenfalls zunächst keine flächendeckenden Corona-Tests nach bayerischem Vorbild einführen. Ministerpräsident Armin Laschet sagte: "Ich will das nicht bewerten, was die bayerischen Kollegen machen. Wir machen, was wir für Nordrhein-Westfalen richtig halten. Mir ist vor allem wichtig, dass wir es da, wo es brennt, verpflichtend machen." Laschet nannte als Beispiel die Fleischindustrie, wo ab dem 1. Juli Beschäftigte in NRW mindestens zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden müssen.

Bayern hatte am Wochenende angekündigt, dass sich zeitnah jeder Bürger auch ohne Symptome testen lassen kann. Die Staatsregierung beschloss ein entsprechendes Vorgehen am heutigen Dienstag. Das Testkonzept laute "schneller, kostenlos und für jedermann", sagte Ministerpräsident Markus Söder nach einer Kabinettssitzung in München. Er kündigte an, dazu die Kapazitäten von aktuell 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag zu erhöhen.

Der Freistaat übernimmt die Kosten in all den Fällen, in denen nicht ohnehin Krankenkassen in der Pflicht sind. Man stelle dafür aufs Jahr gerechnet 200 Millionen Euro bereit, sagte Söder. Kritik an der bayerischen Strategie wies Söder zurück. Die Kosten könnten kein Argument sein. Man dürfe nicht auf Kosten der Sicherheit der Bürger sparen. "Testen ist auch Vorbeugung", betonte er. Angesichts einer erwarteten zweiten Welle der Pandemie seien die Massentests ein entscheidendes Instrument zum Messen der Wasserstände.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa/rts